Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Die Halbinsel Sinai
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
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— 263 — von Nachl sich breitenden Viereck. Die Namen jener Südbewohner sind: Taüarah, soviel als Anwohner von Tür; Uled-Said, d. h. die Söhne des Said des Glücklichen; Sauälhe, d. h. die Frommen; Il-Alleija (von allak, etwas aufhängen, und allak ala Futter geben). Alle diese vier Stämme führen auch den gemeinsamen Namen „Güfara" Wächter oder Türhüter, weil es ihre Pflicht ist, dem Kloster Dienste zu leisten. Sie besorgen seinen Verkehr mit der Aussenwelt, bringen die Postsachen hinab nach Tür und schaffen Proviant aus Suez herbei. Auch ist es ihr Recht und ihre Einnahmequelle, die christlichen Pilger von dem Hafenorte Tür zum Kloster hin- und zurückzugeleiten. Zu ihnen gesellt sich noch eine Gruppe von Menschen, die nicht arabischen Blutes sind. Es sind die Nachkommen der einst von Justinian dem Kloster geschenkten wallachischen Sklaven. Ursprünglich Christen, wurden sie im Laufe der Zeiten Mohammedaner und nahmen völlig die Landessitten an; doch sprechen sie noch neben dem Arabischen das Griechische. Sie führen den Namen Dschebelijeh, d. h. Bergbewohner. Die vier Beduinenstämme, welche auf dem nördlich von Nachl sich breitenden Viereck hausen, sind die folgenden: Die Uled-et-Taijahe, die Uled-el-Huet, die Uled-et-Tarabine und die Uled-el-Asasma. Wenn auch diese Leute, alle in beweglichen Zelten wohnend, ein beständiges Wanderleben "führen und an demselben Platze meist nur so lange rasten, bis das von ihnen ausgesäte Getreide geerntet, gedroschen und verkauft ist, so hat jeder der Stämme doch von dem Gebiet der Halbinsel ein ganz bestimmtes Terrain inne, über welches seine Genossen selten hinausgehen. So hört z. B. das Recht der Güfara in Nachl auf. Der mich dorthin führende Schech der Uled-Said hatte die grösste Lust, um des Verdienstes willen mich über Nachl hinaus weiter nach Norden zu geleiten; allein die Uled-et-Taijahe, deren Gebiet hier anfängt, verboten es ihm. Und ich entliess den Mann mit seinen Leuten, um einem Konflikt vorzubeugen. Die südlichen, dem Kloster dienenden Stämme sind überhaupt die weniger geachteten unter den Beduinen der Halbinsel, weil sie in einem scharfen Abhängigkeitsverhältnis zu jenen etwas herrischen und habsüchtigen Mönchen stehen, arm und darum weniger kriegerisch sind. Ich sah es mit meinen eigenen Augen, wie einer dieser Beduinen, weil er im Klosterhofe ungenügend