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Altneuland · 1904-09-01 · Heft 9 (September 1904) · p. Seite 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 9 (September 1904)
Article
Die Halbinsel Sinai
Date
1904-09-01
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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— 264 — sein Kamel betrachtet hatte, vom Oikonomos des Konventes, einem noch jüngeren Manne, geohrfeigt wurde. Und der Mann Hess sich das gefallen. Charakteristisch ist das schon für das Wesen dieser Leute, dass sie auf dem Marsche nicht Schwerter noch Lanzen, sondern lange Tabakpfeifen in den Händen tragen, denn sie sind leidenschaftliche Raucher. Ihre Angehörigen bekommen von dem Kloster tägliche Brotlieferungen. Um die Mittagsstunde finden sich Gruppen von Greisen, Frauen und Kindern an der Klosterpforte ein. Aus einer oben in der Mauer befindlichen Luke werden ihnen Leinenbeutel, welche sie am Morgen im Kloster abgegeben hatten, gefüllt mit Broten zugeworfen. Es ist dieses ein kugelrundes, hartes Gebäck aus Gerstenmehl von etwa 5 cm Durchmesser. Die Mönche rechnen auf jeden Haushalt fünf bis acht Brote. Die Uled-et-Taijahe bilden wohl den volkreichsten und wohlhabendsten Stamm. Es sind kräftige, hochgewachsene Gestalten. Die gebogene Nase, das blitzende Auge, das tief braune Kolorit geben ihrem Gesichte einen energischen Ausdruck1). Doch haben sie schlechte Zähne, was wohl von dem starken Dattelgenuss herrührt. Ihr Anzug, ihre Waffen, sowie die Aufsattelung ihrer Kamele lassen auf grössere Wohlhabenheit schliessen. Sie führten mit sich gute Gewehre europäischen Ursprungs. Ihr Schech wollte gleichfalls um des Verdienstes willen mich über die Grenze seines Stammes hinaus geleiten. Und es war bezeichnend, dass er nicht wie die Uled-Said von seinem Vorhaben durch den Widerspruch der Nachbarn sich zurückschrecken Hess, sondern es lieber auf einen Kampf ankommen lassen wollte. Er geleitete mich sicher mit seinen Leuten bis nach Bir-es-Sebac; ja dann auf meinen Vorschlag sogar hinein in das türkische Gebiet bis nach Hebron. Den schlechtesten Ruf tragen die Uled-el-Asäsma, welche rings um Ain-Gades (das alte Gades-Barnea) wohnen. Man macht ihnen den Vorwurf, dass sie Diebe und Mörder sind. Als ich durch ihr Gebiet zog, hielten wir unsere sämtlichen Gewehre schussbereit, und des Nachts wurde ein regelrechter Wachtdienst in unserem Lager eingerichtet. Jene 10 000 Beduinen verteilen sich über eine Landfläche von 59 000 qkm, also über ein Gebiet von der doppelten Grösse Belgiens, welches 6 799 999 Bewohner, also 231 auf 1 qkm, zählt. *) „Les Arabes qui occupent le desert de Tih comptent au nombre des plus sauvages et des plus intraitables parmi les Bedouins." Isambert et Chauvet: Itineraire d'Arabie Petree.

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