Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Die Halbinsel Sinai
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 262 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 262 — den Kamelen den einzigen Viehbestand der das Ringgebirge bewohnenden Beduinen. Schafe, welche das flache Land den Bergen vorziehen, zeigen sich häufiger erst nordwärts in den Herdenbeständen der Wüste Et-Tih. Dieses ist das breitschwänzige Schaf (Ovis laticaudata), von robuster Gestalt und bedeckt mit weicher, langer, glänzender Wolle, deren Weiss nicht selten in eine schillernde Bronzeschattierung übergeht. Die grossen Vliese dieser Tiere werden als Fussdecken benutzt. Auch fertigen die Beduinen aus ihnen sich Oberkleider und Mäntel an, welche in den kalten Nächten der Wüste (wir hatten durchschnittlich -j- 3 bis 6° R.) ihnen von grossem Nutzen sind. Rinder, sowie Pferde und Esel treten ausschliesslich in jenen Strichen der Halbinsel auf, welche Palästina angrenzen. Das einhöckerige Kamel (Camelus dromedarus) findet sich über die ganze Halbinsel verbreitet. Es ist das unentbehrliche Transport-, Reit- und Zugtier der Beduinen. Denn es zieht auch ihren Pflug. Wie gross die Anzahl der auf der Halbinsel sich findenden Kamele ist, lässt sich schwer feststellen. Doch sagte mir Saleh-ibn-Moslä, der Schech der Uled-et-Taijahe, dass der Besitzstand allein seines Stammes an diesen Tieren etwa 5000 Stück betrüge. Während in dem ägyptischen Sudan, z. B. von den Benir Amr, grosse Herden von Dromedaren nur der Milchgewinnung wegen gehalten werden, tritt diese wirtschaftliche Ausnutzung des Tieres im peträischen Arabien sehr zurück. Das mag seinen Grund haben in dem durchschnittlich schlechten Futterzustande dieser Tiere, der, je näher dem Kloster, um so schärfer in die Augen fällt. Je weiter man dagegen in den Norden der Halbinsel vordringt, um so stattlicher werden Tiere und Menschen. Diese Menschen, abgesehen von den 32 griechischen Mönchen, welche zurzeit das Katharinenkloster bewohnen, einigen ägyptischen und türkischen Zivil- und Militärbeamten, sowie einer Gruppe von Leuten, welche für Nachkommen ehemaliger wallachischer, dem Kloster höriger Sklaven gelten, sind ausschliesslich Beduinen von reinem arabischen Blut. Wie gross ihre Anzahl ist, lässt sich schwer bestimmen, da eine amtliche Zählung fehlt. Ich möchte nach den Mitteilungen, welche ich den mich führenden Schechs verdanke, die Gesamtzahl auf rund 10 000 geben. In diese Kopfzahl teilen sich acht Beduinenstämme. Vier von ihnen bewohnen das im Süden gelegene Dreieck, mit dem Katharinenkloster als Mittelpunkt, und vier hausen auf dem nördlich