Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 8 (August 1904)
- Article
- Damaskus. Handelsbericht für das Jahr 1902
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 248 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2266000-2266001-2266010-2266699--0522-2266746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 248 - maschinell, Trieurs und eiserne Pflüge ausländischen Systems in fortgesetztem Gebrauche, aber ein eigentlicher Handel hat auch dort in solchen Geräten bislang nicht betrieben werden können. Diese ablehnende Haltung der syrischen Landwirte gegen die auf die Verbesserung der Agrikultur des Landes gerichteten fremden Bestrebungen, wie der fortbestehende Mangel jeder rationellen Bewirtschaftung der Aecker hat zur Folge, dass Syrien mit seinen Bodenerzeugnissen auf dem europäischen Markte den Wettbewerb anderer Getreide bauender Länder nicht auszuhalten vermag, es sei denn, dass die Ernten so reich ausfallen, dass ein bedeutender Ueberschuss der Erzeuguog über den inländischen Bedarf entsteht. Dieser Fall ist im vergangenen Jahre beim Gerstenbau eingetreten. Die Gerstenernte war eine ungewöhnlich ausgiebige, wodurch es dem Lande möglich geworden, eine nicht unerhebliche Menge an das Ausland abzugeben; man schätzt die Erzeugung des Berichtsjahres für das ganze Wilajet auf etwa 80 000 Tonnen. An der Ausfuhr war in erster Linie das Sandschak Hamä beteiligt. Damaskus konnte der höheren Preise wegen nur wenig exportieren. Die Gerstenpreise schwankten in Damaskus zwischen ${j2 und 8 M. für 1 dz, in Hamä zwischen 6 und 7 M. für 1 dz. In Es-Salt (Liwa Kerak) wurden durchschnittlich 5 M. für den Doppelzentner gezahlt. Die Fracht nach der Küste betrug ab Hamä 2—21/2 M. für 1 dz, ab Damaskus 1,35 M. für 1 dz. Die Weizenernte war mittelmässig, aber, besser als die des Vorjahres; ihr Ergebnis wird für die ganze Provinz auf 130000 Tonnen geschätzt; eine nennenswerte Ausfuhr hat nicht stattgefunden. Der hiesige Marktwert bewegte sich zwischen 10 und 13^2 M. für 1 dz loko Damaskus. In Hama zahlte man je nach Qualität 11—16 M., in Es-Salt 12 M. für 1 dz. Die Sesamerzeugung der Provinz soll etwa 100 (?) Tonnen betragen haben; sie ist fast ganz im Lande verbraucht worden. Die Ausbeute von weissem Mais oder Sorgham (Durra beda) in den Liwas Hamä und Kerak — im Sandschak Damaskus wird diese Kornart wenig gebaut — bezifferte sich auf etwa 500 Tonnen, die dem Lokalbedarf dienten. Von türkischem Weizen (Mais) wurden im Liwa- Damaskus annähernd 2500 Tonnen gewonnen; der durchschnittliche Verkaufspreis betrug 7 M. pro dz. Die Kichererbsenernte war wenig befriedigend, sie bezifferte sich auf beiläufig 3000 Tonnen, die Hälfte der vorjährigen. Auch die Bohnen ernte Hess zu wünschen übrig, sie ergab im ganzen Wilajet nur etwa 2000 Tonnen. Nicht besser war das Ergebnis der Linsenkultur, es betrug nur etwa 1600 Tonnen, die fast ganz im hiesigen Verbrauch aufgegangen sind. Die Erzeugung von Schafwolle ist quantitativ hinter der des Vorjahres zurückgeblieben, war aber sonst zufriedenstellend. Auf dem Markte und in Hamä gelangten je etwa 800 Tonnen Schweisswolle zum Verkauf, die fast ausschliesslich direkt oder durch französische oder englische Zwischenhändler in gewaschenem Zustande nach Nordamerika ausgeführt worden sind. Die syiische Wolle wird zur Teppichfabrikation verwendet, zur Herstellung von Tuchen eig iet sie sich nicht. Die Aussichten für die Ende April beginnende neue Schur sind sehr günstig. Infolge einer grossen, durch Grünfuttermangel entstandenen Sterblichkeit unter den Schafen war die Lammfellausbeute eine ungewöhnlich beschränkte, indem sie kaum die Hälfte einer Normalproduktion von 70 000 Stück erreichte.