Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 8 (August 1904)
- Article
- Damaskus. Handelsbericht für das Jahr 1902
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 249 (sequence 4)
- Language
- German
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— 249 — Wie gewöhnlich, hat Deutschland fast die ganze Erzeugung aufgenommen. Prima Sortimente wurden mit 200—205 M. per 100 Stück frei Bord Hamburg gezahlt. Die Felle waren im vergangenen Jahre aussergewöhnlich leicht, indem sie kaum ein Durchschnittsgewicht von 110 kg pro 100 Stück gegen 115—120 kg einer Normalware aufwiesen. Die unerhebliche Ausbeute von Zickelfellen wurde wie gewöhnlich nach Frankreich ausgeführt. Schaffelle wurden im Lande verbraucht. Fast gänzlich missraten ist infolge von Spätfrösten die Aprikosenernte. Demzufolge betrug die Erzeugung von Aprikosenpasten nur 8000 dz gegen 15 000 dz im Vorjahre, und diejenige von Aprikosenkernen etwa 1300 dz gegen 6500 dz im Jahre 1901. Getrocknet wurden in beiden Jahren je etwa 4000 dz. Dem geringen Ernteausfall entsprechend waren die Preise sehr hoch, was zur Folge hatte, dass Aprikosenteig nach Deutschland, das im Vorjahre davon etwa 2500 Kisten und Säcke zu je 100 kg für Marmeladenfabrikation von hier erhalten hatte, gar nicht ausgeführt werden konnte und auch die Ausfuhr von Aprikosenkernen nach Deutschland auf ganz geringfügige Mengen beschränkt bleiben musste. Letzterer Artikel, für welchen Europa bis vor wenigen Jahren fast ganz auf Syrien angewiesen war, wird ihm jetzt auch aus anderen Gegenden, vornehmlich aus Kalifornien, vorteilhaft geliefert. Auch die Walnussbäume haben durch Spätfröste gelitten, die Walnussernte hat deshalb nur 13 000 dz, etwa die Hälfte der vorjährigen, ergeben. Die Süssholzernte ist um etwa 1/5 hinter derjenigen des Vorjahres, welche sich auf etwa 30 000 dz belaufen hat, zurückgeblieben; die Wurzel geht zum weitaus grössten Teile nach den Vereinigten Staaten von Amerika, wo sie in Extraktform hauptsächlich zur Vermischung mit Kautabak verwendet wird; in auf etwa 30 cm zugeschnittenen Stäben werden geringe Mengen auch nach Europa ausgeführt. An Hanf sind ungefähr 10 000 dz gewonnen worden; die gleiche Menge wie im Vorjahre. Das hiesige Erzeugnis wird seit einiger Zeit von Deutschland gern gekauft. Die Rosinenernte des Berichtsjahres kommt mit etwa 235 000 dz derjenigen des Vorjahres gleich. Davon entfallen ungefähr 210 000 dz auf die rote Sorte (Ahmär) und 25 000 dz auf die weissen — Derbeli genannten — Rosinen; die letztere Sorte gewinnt wachsende Beliebtheit in Deutschland, wohin seit zwei Jahren nicht unerhebliche Mengen ausgeführt werden. Die Seidenzucht ist im Wilajet Sürija, besonders in der Hochebene El BikäY im Aufschwünge begriffen; man schätzt die vorjährige Kokonernte der Provinz auf 185 000 kg. Auch die in Schtora am östlichen Fusse des Libanon ihren Mittelpunkt habende Weinbereitung macht immer grössere Fortschritte. Die etwa 300000 Liter betragende Produktion von Rot- und Weisswein gelangt zum grössten Teile über Beirut zur Ausfuhr nach Aegypten, Konstantinopel, Frankreich und Grossbritannien. Auch Deutschland erhält vereinzelte Sendungen. Der Preis schwankte je nach der Güte zwischen 25 und 50 M. pro Hektoliter loko Produktionsort. Asphalt wird in Häsbeja am Fusse des Hermon gewonnen. Im Berichtsjahre sind 3700 Kisten ausgeführt worden, zum grossen Teile nach Norddeutschland. Die Kisten wiegen 95 kg brutto und 80 kg netto; von 100 Kisten enthalten 80 Kisten Stücke (Marke A) und 20 Grus (Marke B). Der Verkaufspreis ist 33 M. pro 100 kg netto franko Hafen Hamburg oder Bremen.