Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 8 (August 1904)
- Article
- Die Halbinsel Sinai
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 245 — Da aber Wälder die natürlichen Reservoire zur Aufspeicherung feuchter Niederschläge sind, so dürfen wir auch die Wasserverhältnisse auf der Halbinsel uns um jene Zeit als bei weitem günstiger vorstellen als heute. Heute gibt es dort Wegestrecken von 100 km und mehr, auf denen kein Tropfen Wasser zu finden ist. Zwei Kamele, befrachtet mit Holzfässern und Lederschläuchen voll Wasser, musste ich beständig in meiner Karawane mitführen, um diesen Mangel auszugleichen. Zurzeit könnte unter diesen Verhältnissen ein Volk hier nicht wandern; aber Wälder, Oasen und Weideplätze, darum auch Quellen, Brunnen und Flüsse werden in jener alten Zeit viel reichlicher vorhanden gewesen sein als jetzt. Zur Seite jener wildwachsenden Pflanzen stehen die Vegetationsinseln, die von Menschenhand angebaut und gepflegt sind, als Plantagen, Gärten und Getreidefelder. Von der Oase Firän war bereits die Rede. Das Katharinenkloster besitzt und unterhält in seiner unmittelbaren Nähe Oelbaumpflanzungen, Frucht- und Gemüsegärten, sowie auch Weinberge. Und trotz der Meereshöhe von 5020 Fuss gedeihen die dort gepflegten Gewächse vortrefflich. Eine grosse Schale voll Aepfel, Birnen und Weintrauben, vom Oikonomos des Klosters als Produkte seines Gartens zum Geschenk mir übersandt, bewies das. Gleich üppige Gärten pflegt das russische Hospiz im Wädi-el-Ledscha. Und auch in der Ebene er-Räha sah ich zwei, wenn auch bescheidenere, Gärten von Beduinen angelegt und gepflegt. Der Getreidebau ist mehr zu Hause im Norden der Halbinsel, auf dem Hochplateau von Et-Tih. Hier und besonders in dem Gebiete zwischen Ain-Gades (dem alten Gades-Barnea) und Bir-es-Sebac sah ich Flächen mit dem Pfluge bearbeiteten Bodens, welche an ein deutsches Rittergut erinnerten, nicht bloss durch ihre Ausdehnung, sondern auch durch die Sorgfalt ihrer Bearbeitung. Es waren die Steine auf ihnen zusammengelesen und das störende Strauchwerk mit der Axt dort ausgerodet, wie ich es weit und breit im Orient nicht gesehen hatte. Das war Beduinenarbeit! *) Jene Felder lagen da fertig zum Einstreuen der Saat, was nach den ersten Regen, die im Dezember erwartet werden, erfolgen sollte. Weizen und Gerste kommen auf dem rötlich gefärbten, sehr humosen Lehmboden zum Anbau, und es wird *) Hierzu muss bemerkt werden, dass Bioes-Seba' schon in Palästina liegt und nicht zur Sinaihalbinsel gehört. Die Red.