Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 8 (August 1904)
- Article
- Die Halbinsel Sinai
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 244 — kost zum Brot von den Arabern gegessen. Im ganzen bringt man im Jahre auf der Halbinsel zurzeit 6—7 Ztr. zusammen. Die Beduinen pressen dieses Produkt in kleine Blechzylinder von 6 cm Länge und 4 cm Durchmesser, welche sie, so aufgefüllt, für 1 Fr. gern an die Pilger verkaufen. Dann begegnet uns oft die Acacia farnesiana mit ihrem bronzefarbenen Stamme und den silbergrauen Stacheln, von den Eingeborenen „talla" genannt. Selbst den Affenbrotbaum (Adansonia digitata), so häufig auf dem Hochlande von Abessinien, sah ich hier, wenn auch nur in einem einzigen Exemplare. Der sehr stark riechende Strauch Artemisia judaica ist häufig, ebenso die Jerichorose, Anastatica hierochontica. Dann begegnet uns nicht selten der Handalapfel (Citrullus colocynthis), eine an der Erde kriechende Kürbisart mit ihren an "Weinlaub erinnernden Blättern und Früchten von täuschender Aehnlichkeit mit der Orange. Geöffnet zeigen die Früchte ein Mark von losem Gefüge und von überaus bitterem Geschmack. Die Eingeborenen benutzen es, indem sie es in Kamelsmilch kochen, als Heilmittel gegen Geschlechtskrankheiten. Die Araber nannten mir ausserdem noch folgende als Kamelsfutter dort benutzte Zwergsträucher: Gadäf, Tarfa, Adam, Firs, Schiche. Alle diese Pflanzen brechen aus den Fugen der Bergwände wie aus der Sohle der Täler in grosser Menge hervor und zeigen die Triebkraft des Bodens, welcher überall sich zu beschatten sucht. Um vieles gedeihlicher würden sie sich entwickeln, wenn nicht Ziegen, Schafe und Kamele, zwischen sie hingetrieben, sich in dem Geschäfte vereinigten, immer wieder die jungen hervorbrechenden Triebe der Sträucher durch Abnagen zu vernichten. Auch fördern die Beduinen dieses Zerstörungswerk, indem sie zur Unterhaltung ihrer Lagerfeuer und zur Gewinnung von Holzkohlen alles, was brennbar ist, zusammenschleppen. Dazu kam der starke Verbrauch an Holz, welcher in alter Zeit zur Speisung der Schmelzöfen in den Sinaibergwerken der alten Aegypter stattgefunden hat. So scheint die Annahme berechtigt zu sein, dass zu jener Zeit, während deren das Volk Israel die Halbinsel besetzt hielt, ein um vieles stärkerer Waldbestand Berg und Tal hier überzogen habe als heute. War doch auch Aehnliches in dem jetzt völlig kahlen Gebirge von Juda der Fall, wie aus Josua, Kap. 17, Vers 18, hervorgeht.