Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 8 (August 1904)
- Article
- Die Halbinsel Sinai
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mittelmeer zu. Es zeigen sich jedoch auf der ganzen Halbinsel keine das ganze Jahr hindurch fliessenclen Flüsse, sondern nur in die Erde gesenkte Kanäle, bestimmt, die Sturzwasser der Regenzeit aufzunehmen und abzuführen. Teilt man jenen Perpendikel in drei gleiche Teile, so markiert, von Süden aus gerechnet,. der erste Teilungspunkt die Lage des Katharinenklosters am Fusse des Dschebel-Müsa und des Choreb; der zweite Teilungspunkt aber bezeichnet die äusserste Einbuchtung des Dschebel-et-Tih nach Süden. Die Vegetation der Halbinsel, obschon gegen die frühere Zeit stark vermindert, ist doch keineswegs als eine arme zu bezeichnen. Die Oase Firan am Fusse des Serbäl ist eine der fruchtbarsten, welche sich weit und breit finden lässt* Reitet man das Wäcli Firän aufwärts, so strömt einem das Wasser in Fülle entgegen, so dass es möglich wäre, in den Rinnen ein Bad zu nehmen. Dieses Wasser ist klar, kühl und von grossem Wohlgeschmack. Gleichwohl wird es von den Eingeborenen nicht fleissig genug benutzt. Ein grosser Teil der kostbaren Gabe verläuft ohne wirtschaftlichen Verbrauch und. erzeugt an den Rändern ganze Wälder von Arundo donax, durch die man mit seinem Maultier unter Mühe sich, hindurchwindet. Die Gärten, deren Kette zwischen den hier nicht weit auseinanderweichenden Bergwänden sich lang hinzieht, enthalten Granatbäume, Mandelbäume und Dattelpalmen. Die Früchte der letzteren sind von ausgezeichnetem Wohlgeschmack und kommen, zusammengepresst mit süssen Mandeln, in Form kurzer Würste oder auch runder Kuchen, welche beide in Gazellenhaut eingenäht werden, in den Handel. Man kauft sie gern in Kairo von Beduinen des Sinai* welche auf den Strassen sie anbieten. Die Tamariske (Tamarix mannifera) ist sehr häufig und tritt, gruppiert zu kleinen Wäldern, namentlich in dem breiten und langen Wadi-es-schech auf. Sie gibt das aus der Bibel bekannte Himmelsbrot (Manna) her. Der Stich einer Schildlaus (Coccus manniparus) in die jungen Zweige öffnet deren Rinde, ein honigartiger Safi tritt aus, fällt in schweren Tropfen zu Boden, trocknet ein und zeigt sich unter dem Strauche als ein hellgelbes Kügelchen. Der Erguss dieses Saftes, beginnend mit der Aprikosenblüte, dauert etwa drei Monate, von Juni bis August. Am Tage ist er sparsamer als .in der Nacht, am stärksten aber in den Nächten, welche der Mond beleuchtet. Die Körner sind von süsslichem Geschmack und werden noch heute als Zu-