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Altneuland · 1904-08-01 · Heft 8 (August 1904) · p. Seite 234

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 8 (August 1904)
Article
Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiet der Bagdad-Bahn
Date
1904-08-01
Page
Seite 234 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 234 — liehen Untertanen hat, sicherlich sträuben, aber auch den Untertanen der süd- und mitteleuropäischen Länder kann man nicht zumuten, dass sie türkische Untertanen werden, und ohne diese Bedingung ist eine Erlaubnis, sich dort anzusiedeln, keinenfalls von der türkischen Regierung zu erlangen. Anders steht es mit den osteuropäischen Juden, d. h. den Bewohnern von Russland und Rumänien. Diese sind einerseits als Kolonisten der türkischen Regierung genehm, wie die vor ein paar Jahren entstandenen jüdischen Ackerbaukolonien in Anatolien beweisen, und wie auch von türkischer massgebender Seite wiederholt ausgesprochen wurde; andererseits haben sie, die in Rumänien gesetzlich als Fremde betrachtet werden, und die in Russland unter den härtesten Ausnahmegesetzen stehen, nur zu gewinnen, wenn sie türkische Untertanen werden, da die türkische Regierung Unterschiede in der Behandlung der verschiedenen Volksstämme und Religionsgenossenschaften, in der Art, wie sie in Russland und Rumänien üblich sind, nicht kennt. Freilich würde Mesopotamien wohl vorläufig für eine jüdische Kolonisation nicht in Betracht kommen, da die Juden sich nicht gleich in der ersten Generation an die furchtbare Sommerhitze daselbst werden gewöhnen können. Immerhin wird die Akklimatisation relativ schnell vor sich gehen, da ja die Juden, als ursprüngliches Volk des wärmsten Teiles des Mittelmeergebietes, sich eine vorzügliche Anpassungsfähigkeit an warme Gegenden bewahrt haben; haben sie sich doch z. B. sogar in dem echt tropischen Surinam als die einzigen Ueberbleibsel der früheren Kolonisation der weissen Rasse erhalten, und vermochten sie sich doch in der spanischen Zeit, bis sie vertrieben wurden, selbst in der brasilianischen Provinz Bahia einzubürgern. Nordsyrien hingegen wird ihnen sicher sofort zusagen, da es nicht wärmer ist als Palästina, wo doch selbst die aus Mittelrussland eingewanderten Juden gut zu gedeihen pflegen. Auch eine geschichtliche Attraktion hat diese Gegend, ist es doch die Heimat Abrahams, von wo er gen Kanaan zog. Es ist klar, dass diese Kolonisation nur auf Ackerbau beruhen kann. Dass sich die osteuropäischen Juden hierzueignen, zeigen sowohl die neuerdings in Amerika begründeten Kolonien, als auch die jüdischen Dörfer in Russland, Palästina und Anatolien. Gerade die in den letzten Jahren angelegten Kolonien, in denen viele der früheren Fehler vermieden werden, beweisen dies aufs beste. Namentlich erzielt man dann gute Resultate, wenn man die Ein-

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