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Altneuland · 1904-07-01 · Heft 7 (Juli 1904) · p. Seite 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 7 (Juli 1904)
Article
Harmonische und disharmonische Gesellschaften
Date
1904-07-01
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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— 202 — zwischen den Käufern, nicht aber der feindliche Wettkampf wie zwischen den industriellen Verkäufern. Diese psychologische Beziehung spricht sich nun natürlich auch auf das deutlichste aus in den rein wirtschaftlichen Verbindungen der Landleute untereinander, in den landwirtschaftlichen Genossenschaften. Sie alle sind harmonische Genossenschaften und zwar nicht nur diejenigen, welche dazu bestimmt sind, Waren vom Markte zu nehmen und im inneren Kreise zu verteilen (Käufergenossenschaften), sondern auch diejenigen, welche dazu bestimmt sind, Waren im inneren Kreise herzustellen, um sie auf den Markt zu bringen (Verkäufergenossen3chaften). Diese Harmonie spricht sich aus in dem alle möglichen Erwartungen weit übertreffenden Aufschwung der landwirtschaftlichen Genossenschaften aller Art in allen Ländern, nicht nur der Rohstoffsbezugsvereine, sondern auch der reinen Verkäufergenossenschaften, namentlich der Molkereien. Auch diese haben und bewahren alle charakteristischen Eigenschaften der industriellen Käufergenossenschaft: sie bleiben dem Zutritt jedes Berufsgenossen ohne weiteres offen, behalten ihre demokratische Organisation unerschüttert, und ihre Anteile erhalten niemals Spekulationswert. Kurz, sie sind dem Gesetz der Transformation völlig entzogen. All dies gilt nun ganz besonders für die von mir zur Kolonisation des platten Landes empfohlene landwirtschaftliche Arbeiterproduktivgenossenschaft. Sie ist, wie später noch dargestellt werden soll, bisher gerade so regelmässig geglückt, wie die industrielle Arbeiterproduktivgenossenschaft regelmässig* missglückt ist. Der Grund liegt klarerweise darin, dass die psychologischen Beziehungen ihrer Mitglieder sie zu einer vollkommen harmonischen Genossenschaft machen. Betrachten wir, um tiefer in den Gegenstand einzudringen, die aus der Grundorganisation mit Notwendigkeit emporwachsenden Unterschiede des Entwicklungsgangs zwischen der disharmonischen industriellen und der harmonischen landwirtschaftlichen Arbeiterproduktivgenossenschaft. Die industrielle Genossenschaft scheitert in fast allen Fällen schon in ihren Anfängen an einer von den drei Klippen, die ihre Fahrt bedrohen, dem Kampf um den Kredit, dem Kampf um den Absatz und dem Kampf um die Arbeitsform. Und zwar verstärkensich diese Schwierigkeifen sämtlich in dem

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