Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1904)
- Article
- Harmonische und disharmonische Gesellschaften
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 201 — Luxusgüter städtischen Ursprungs vermindern, und für diese hat er „Ersatzmittel" wie der Käufer. 2. Schliesslich gleicht auch der Bauer dem Käufer darin, dass sein Interesse am Warenpreis ein eng begrenztes ist. Wir sahen, dass dem Verkäufer am Gesamtprofit liegt, dass er danach streben muss, soviel Einheiten seiner Ware zu verkaufen wie die gesamten Käufer aufnehmen können. Das ist zwar eine Begrenzung, aber eine gesellschaftlich ungeheuer weite, sie ist für den einzelnen praktisch unbegrenzt. Kein Landwirt aber, nicht einmal der grösste Latifundienbesitzer, geschweige denn der Bauer im eigentlichen Sinn, kann jemals daran denken, mit seinem Produkt den gesamten Markt monopolistisch beherrschen zu wollen. Selbst das Erzeugnis einer Weizenfarm von 100000 Acres verschwindet als ein Tropfen im Ozean der Weltproduktion. Um so viel weniger kann dem eigentlichen Bauer ein derartiges Interesse erwachsen. Wie der Käufer „nicht mehr Einheiten einer bestimmten Ware kaufen kann, als das Verhältnis seiner Bedürfnisse zu seiner Kaufkraft bestimmt," — so kann, der Bauer nicht mehr Einheiten einer bestimmten Ware verkaufen, als das Verhältnis der Produktionskraft seines Gütchens zum eigenen Bedarf seiner Familie bestimmt. Damit ist sein Interesse individuell ebenso eng begrenzt, wie das des Käufers, und ebenso eng begrenzt der Vorteil, den er am Verkauf einer bestimmten Ware erringen kann. Man sieht also, die xAnalogie ist eine vollkommene und so ist es denn selbstverständlich, dass auf Grund einer derartigen Interessenlagerung der eine Bauer dem andern und der Gesamtheit mit derselben Stimmung gegenübersteht, wie der einzelne Käufer einer Warengattung den anderen Käufern. Zwischen ihnen herrscht genau die gleiche Harmonie aller Interessen wie zwischen den Käufern. Weil niemand daran denken kann, den andern aus dem Markte zu werfen, laufen alle Interessen parallel; bei einer empfindlichen Preissenkung irgend einer der von ihnen zu Markte gebrachten Waren haben sämtliche Bauern nicht nur das Interesse, sondern auch die praktische Tendenz, ihr Angebot einzuschränken, indem sie entweder ihre eigene Konsumtion verstärkt auf diese Ware richten oder ihre Erzeugung vermindern. Es besteht daher zwischen den Bauern genau derselbe friedliche Wettbewerb wie