Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1904)
- Article
- Harmonische und disharmonische Gesellschaften
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 200 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 200 — schalt. Wir gehen auch hier wieder von der Psychologie des Individuums aus, den wir zunächst als isolierten Interessenten, also noch nicht als Mitglied einer wirtschaftlichen Einung untersuchen wollen. Da ergibt sich nun, dass der Landwirt in allen psychologischen Bestimmungen nicht dem Verkäufer industrieller Waren, sondern dem Käufer völlig gleichgeordnet ist. Dies lässt sich durch eine Vergleichung der Interessen des Bauern mit den oben festgestellten des Käufers im allgemeinen sehr leicht feststellen. 1. Des Bauern Selbstinteresse, soweit er Verkäufer ist, ist mit dem Preise einer sehr grossen Anzahl von Warenarten verknüpft, die er zur Befriedigung seiner verschiedenen Bedürfnisse auf den Markt bringen muss, und ist deswegen mit dem Preis einer einzelnen Ware nur sehr lose verknüpft. Er stellt in seinem Betriebe die verschiedensten Dinge her: Korn verschiedener Art; Fleisch von Schafen, Rindern, Schweinen; Geflügel, Eier, Gartenprodukte u. s. w. u. s. w., und kann sich der Konjunktur Idjes Marktes in doppelter Beziehung anpassen: a) indem er diejenigen Produkte selbst verzehrt, die einen geringeren Preis bedingen, und die höherwertigen jeweils zu Markt bringt, und b) indem er seine Produktion elastisch der jeweiligen Marktlage anpasst. Selbst aber in dem Falle, dass unter ungewöhnlich ungünstigen Umständen der Preis sämtlicher Produkte, die er mit Vorteil herstellen kann, empfindlich fällt, so ist er durch diese Preissenkung nicht wie der industrielle Verkäufer nur einer Ware in seiner Existenz, sondern gerade so wie der industrielle Käufer lediglich in seinem Komfort bedroht. Denn seine eigene Wirtschaft versorgt ihn mit Behausung, mit Nahrung, die um so reichlicher und besser ist, je schlechter der Marktpreis steht, und im Notfalle auch mit Kleidung. So kann er entbehren, vielleicht hart entbehren, wenn er gewohnte Bedürfnisse gar nicht oder nur mit ungewohnten Befriedigungsmitteln befriedigen kann, aber seine Existenz ist unter rein ökonomischen Verhältnissen nie bedroht. Wo ein Bauer jemals ohne seine Schuld zugrunde gegangen ist, da ist er zugrunde gegangen durch Steuerüberlastung oder durch Verschuldung, die mit dem ökonomischen Begriffe des Bauerngutes nichts zu tun hat, aber niemals an einer Preissenkung seines Produktes. Denn eine solche kann, um es zu wiederholen, nur seinen Komfort, d. h. seine Verfügung über