Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Beirût (Syrien). Handelsbericht für das Jahr 1902
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Beirut 3× ep/1047833
- Haifa 2× ep/1047930
- Odesa 1× ep/1000834
- İzmir 1× ep/1047963
OCR text
— 183 — Teil die fortschreitende Dezentralisation des syrischen Handels zugeschrieben. In der Tat wird zur Vermeidung jener Hafenspesen ein Teil der Waren, welche früher nach Beirut als Hauptplatz des syrischen Handels gelangten, jetzt direkt an den offenen Küsten platzen Syriens gelandet. Dabei kommt das den grösseren Teil des Jahres über an der syrischen Küste herrschende gute Wetter zustatten. Namentlich nimmt die Einfuhr in Tripolis zu, das durch eine gute, von Lastwagen und Kameltransporten stark benutzte Fahrstrasse mit den volkreichen, jetzt durch die Eisenbahn miteinander verbundenen Städten Horns, 94 km von Tripolis, und Hamä und ihrer getreidereichen Umgegend verbunden ist. Eine weitere Ablenkung des Handels befürchten manche von der Bahnverbindung Haifa— Damaskus.*) Doch ist es fraglich, ob der Transport der nach Damaskus und Umgegend bestimmten Waren auf dieser im Vergleich zur Bahnlinie Beirut— Damaskus ungefähr 100 km längeren Linie sich billiger stellen würde als der über Beirut, zumal da der seitens der türkischen Regierung geplante Bau eines Hafens in Haifa wohl auch die Erhebung von Hafen- und Kaigebühren nach sich ziehen dürfte. In jedem Falle werden jedoch alle diese Hafenplätze, die kapitalarm sind, nach wie vor von Beirut finanziell abhängig sein; auch wird dieses namentlich für solche Artikel, die eine reichere Auswahl erheischen und in geringeren Mengen abgesetzt werden, nach wie vor der Verteilungsplatz bleiben. Endlich litt im Berichtsjahr und leidet noch jetzt (1903) der S}rrische Handel unter den Quarantänen. Gegenüber Aegypten sind diese geradezu zu einer ständigen, niu der Zeitdauer nach schwankenden Einrichtung geworden. In welch sprunghafter Weise sie zu wechseln pflegten, zeige das Beispiel der am 18. April 1902 gegen Alexandrien verhängten: Sie betrug zunächst 24 Stunden, seit 26. April 10 Tage, seit 3. Mai 5 Tage, seit 23. Juli 7 Tage, seit 27. Juli 12 Tage, seit 30. Juli war sie einige Tage lang durch gänzliche Zurückweisung aller Schiffe ersetzt, betrug dann 12 Tage, seit 24. Oktober 10 Tage, seit 20. November 7 Tage, seit 26. November 5 Tage, seit 14. Dezember 7 Tage, seit 14. Januar 1903 2 Tage, seit 18. Januar 5 Tage, vom 5.—25. Februar 24 Stunden, seit 31. März 4 Tage, seit 22. Mai bis jetzt (September 1903) 5 Tage. Ausser gegen Aegypten waren seit Anfang 1902 Quarantänen noch gegen Gaza, die Küste von Gaza bis Saida, Samsun, Batum, Odessa, Smyrna, die Häfen des Roten Meeres und des Persischen Golfs, Beirut selbst, Tripolis und zu Lande gegen Damaskus verhängt. Ihre Dauer schwankte zwischen 24 Stunden und 10 Tagen. Der Geldmarkt hatte sich 1902 von der Krisis des Jahres 1900 noch nicht erholt. Der Wechseldiskont, der vordem 7 bis 8 v. H. betragen, hielt sich und hält sich auch gegenwärtig (1903) auf 9 v. PL Wechselkurse der Ottomanbank 1902: Schecks auf London galten im Ankauf 135,60 bis 137 Beirüter Piaster für 1 £, im Verkauf 136,35 bis 137,75 Beirüter Piaster, 3-Monatwechsel auf London im Ankauf 134,40 bis 135,75 Beirüter Piaster, im Verkauf 135,50 bis 136,50 Beirüter Piaster; Schecks auf Paris im Ankauf 215,50 bis 217,90 Para für den Franken, im Verkauf 216,50 bis 218,90 Para, 3-Monatswechsel auf Paris im Ankauf 214 bis 215,10, im Verkauf 215 bis 217,10 Para. Bei Schecks auf Berlin galt die Mark im Ankauf 268, im Verkauf 269 bis 272,40 Para; Schecks auf Wien endlich die Krone im Ankauf 228, im Verkauf 229 bis 2S2 Para (1 Piaster +0 Para) Die Kursbewegung verlief wie gewöhnlich, nämlich abwärts, in den Monaten *) Vergl. unsere Angaben über Eisenbahnen in Syrien und Palästina in No. 1. D. Red.