Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Gross- und "Klein"-Kolonisation
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 176 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 176 — führt. Diese Arbeiten werden die Kultivierung der angrenzenden grossen Flächen ermöglichen. Derartige Wadis gibt es viel in Palästina. Jetzt dienen sie nur zur Ableitung des Regenwassers ins Meer und wirken zerstörend auf die umliegenden Felder und hindernd auf den Verkehr ein. Hierin kann sich jüdischer Unternehmungsgeist vereint mit Kapital sehr nutzbringend beteiligen. Durch das aufgespeicherte Wasser könnte man einer grösseren Anzahl von Familien die Existenzmöglichkeit verschaffen. Dieselbe Fläche könnte vier- und fünfmal so viel Seelen ernähren. Die natürlichen Bedingungen — von Tälern durchrissene Berge — sind wie dazu geschaffen, um grössere Wassermengen in den Bergen aufzuspeichern. Aber abgesehen von der Ausnutzung des Niederschlagswassers ist es eine spezielle Aufgabe der Kolonisatoren, die perennierenden Flüsse des Landes sowohl zur Berieselung der Felder, als auch als Krafterzeuger dienstbar zu machen. Die Regulierung der grossen Flüsse, des Jordans in seinem Oberlauf und des Kischon würde einerseits die grossen Sümpfe in der Hüle-Niederung und in der Ebene von cAkka zum Verschwinden bringen, andererseits ihr Gefälle und ihr Wasser zur Krafterzeugung und Bewässerung benutzen lassen. Der in unmittelbarer Nähe von Jaffa fliessende Nahr-el-cAudschä ist ein verhältnismässig wasserreicher Fluss. Sein Wasser wird nur zur Fortbewegung von ein Paar Mühlen verwendet. Vor einigen Jahren versuchten mehrere Unternehmer eine Konzession zur Ausnutzung dieses Flusses zur Berieselung der Orangengärten von Jaffa und zur elektrischen (!) Beleuchtung der Stadt zu erlangen. Aus mehreren Gründen ist aus der Sache nichts geworden. Sollte denn nicht der Versuch gemacht werden, auch unsererseits eine Konzession für die Ausnutzung des cAudschä-Wassers zu erlangen? Und so gibt es in verschiedenen Gegenden Galiläas und im nördlichen Teil des Ostjordanlandes Möglichkeiten der Ausnutzung der natürlichen Wasseradern. Die Wasserfrage ist somit für die Besiedlungsfähigkeit von Palästina von sehr grosser Bedeutung und gewährt ebenso die Möglichkeit eines sofortigen Eingreifens. Die von uns bis jetzt vorgezeichneten Punkte einer systematischen zionistischen Tätigkeit in Palästina lassen sich auch vom Standpunkte einer Kultivation dieses Gebietes allein empfehlen, verhelfen aber, wie wir es im einzelnen auseinandersetzten, auch zu seiner Besiedlung.