Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Gross- und "Klein"-Kolonisation
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 175 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2266000-2266001-2266008-2266541--0386-2266589- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Auch in dem wasserreichen Teile Palästinas gehen während der Regenzeit grosse Mengen von Wasser teils im Meer, teils durch Versickerung im weichen Kalkgestein, aus welchem die Grundmasse der palästinischen Bodenformationen besteht, verloren. Die Aufspeicherung dieser Wassermengen ist eine Frage der Technik und ist in vielen Fällen leicht zu lösen. Die Anlage von Dämmen und Talsperren würde die intensive Ausnutzung mancher Gelände ermöglichen. Die im Lande vielerorts anzutreffenden alten Zisternen und Reste von Kanälen beweisen, dass im Altertum der Wasserfrage sehr viel Aufmerksamkeit zugewendet wurde, und dass das Wasser aus wasserreicheren Gegenden durch Kanäle manchmal viele Meilen weit nach wasserärmeren Gegenden geleitet wurde. Bedeutend leichter könnte wahrscheinlich die Frage der Wasseraufspeicherung jetzt durch die modernen technischen Hilfsmittel gelöst werden. In vielen Orten Hesse sich vielleicht das unterirdische Wasser durch Brunnenbohrungen heraufbefördern. Tiefe Brunnen verstanden die Alten nicht zu bauen, und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, dass in vielen Fällen sich artesisches Wasser erbohren Hesse. Die paar hier und da misslungenen Versuche beweisen noch nichts. Bekannt sind die diesbezüglichen Erfolge der Franzosen in der algerischen Sahara. Besonders gelang es dem Regierungsingenieur Jus, in vielen Orten der Sahara Wasser durch artesische Brunnen zu erbohren und dort, wo Wüste herrschte, Oasen zu schaffen. Die Beduinen haben dies mangels technischer Hilfsmittel nie erreichen können. Ihre Bohrungen wurden immer von dem heranrückenden Sande verschüttet. Viele Analogien bietet diesbezüglich für uns Deutsch-Südwestafrika, wo ebenfalls durch das schon genannte Kolonial-Wirtschaftliche Komitee Bohrungen veranlasst wurden. Eine Bohrkolonne wurde entsendet, die in vielen Punkten (es waren auch viele Bohrungen, manchmal die Hälfte, erfolglos) Wasser erbohrt hatte. Wo man Wasser erhielt, dort konnte auch eine Farm angelegt werden. Vielleicht Hesse sich im südlichen Teil Palästinas, in der Gegend von Bir-es-Seba auf dieselbe Weise Wasser erzielen, während jetzt die Gegend infolge ihres verhältnismässigen Wassermangels wenig für Ansiedlungen geeignet ist. Andererseits werden in Deutsch-Südwestafrika Eindämmungsarbeiten am Grossen Fischfluss in Aussicht genommen, der nichts anderes ist, als ein grosses Wadi, das den grössten Teil des Jahres trocken ist und nur zur Regenzeit grosse Wassermengen