Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Das Trachom in Palästina
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 168 - und die zweitens nur allzu leicht geneigt wären, sich beim Nachlassen der beschwerlichen Symptome nicht weiter behandeln zu lassen, und dann nach Eintritt des Rückfalls eine neue Gefahr für die Umgebung bildeten — diese Elemente würden äusserst zahlreich sein. Ohne obligatorische Behandlungsmethode — etwa analog der Schutzpockenimpfung in Deutschland — und ohne eine obligatorische Behandlungsdauer, die von Fall zu Fall vom Arzte zu bestimmen wäre, könnte aus diesem Grunde selbst die unentgeltliche poliklinische Behandlung zuweilen wertlos sein. Es ist aber nochmals zu betonen: die Aufklärung der Massen, die wachsende Volksbildung, das zunehmende Verständnis für Sauberkeit und das Bedürfnis nach ihr wird in diesem Kampfe mehr leisten als jede Zwangsbehandlung. Das souveränste Mittel aber zur Bekämpfung des Trachoms wird ebenso wie die letztgenannten ein nicht spezifisches sein: es wird in der Verbesserung der allgemeinen hygienischen Zustände bestehen. Je gesünder die Wohnungsverhältnisse der Kolonisten—späterhin der Massen — sich gestalten werden, je mehr Gerätschaften, je mehr Raum dem einzelnen Individuum zur Verfügung stehen werden, ^im so rascher wird sich das Trachom auf ein solches Minimum der Verbreitung reduzieren lassen, dass es ähnlich wie in Nordeuropa nicht mehr als eine Geissei des Landes wird bezeichnet werden können. — In diesem Sinne müsste eine systematische Bekämpfung des Trachoms durchgeführt werden, wenn sie von einem radikalen Erfolge gekrönt sein wollte. Sie erfordert allerdings eine starke Staatsgewalt. Sie würde aber zu denselben günstigen Resultaten führen müssen, die im grossen bei der Bekämpfung der Pockengefahr in Europa, im kleinen bei der Ausrottung der Jahrhunderte alten Typhusendemieen in München durch die hygienischen Massnahmen Pettenkofers erzielt worden sind. Leider sind wir aber gewohnt, uns bei der Seuchenbekämpfung in den meisten Fällen auf die allernotwendigsten Massnahmen zu beschränken. Die Ursache hierfür liegt entweder in aussereuropäischen Ländern — in dem Mangel an einer starken und willigen Staatsgewalt oder — wie es bei der Bekämpfung der Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten in Deutschland der Fall ist — daran, dass die Durchführung der zur idealen Bekämpfung der Seuchen notwendigen Massnahmen in ihren Einzelheiten auf praktische Schwierigkeiten stösst. Beide Momente treffen leider mehr oder minder für die Bekämpfung des Trachoms in Palästina zu. Und dennoch sind