Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Das Trachom in Palästina
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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— 163 — schliesslich eintretende Vernarbung kommt der Prozess zum Stillstand. Jedoch führt die Vernarbung ihrerseits zu unangenehmen Folgezuständen, zu Lidverkrümmungen, falschen Wimperstellungen, ja es kann durch starke Lidschrumpfung zur Austrocknung des Auges und zur Erblindung kommen. So entwickeln sich oft im engsten Anschluss an die Krankheit hochgradige Sehstörungen, Entstellungen, Erblindungen. Ernst Fuchs nennt das Trachom mit Rücksicht auf die lange Dauer der Erkrankung, die hohe Neigung zur Weiterverbreitung und die so häufig infolge der Erkrankung eintretenden halben oder vollständigen Erblindungen „eine wahre Geissei der Länder, in denen es einheimisch ist". Die Uebertragung erfolgt durch Verbreitung des eitrigen Augensekretes mit einer erschreckenden Sicherheit. Da durch alle möglichen Gebrauchsgegenstände, mit denen der mit Sekret beschmutzte Finger in Berührung gekommen ist, die Uebertragung auf andere Personen übermittelt werden kann, so wird es verständlich, mit welch rasender Geschwindigkeit sich einzelne Fälle in einer Kaserne, einer Schule etc. zu einer Hausepidemie auswachsen können. Es wird auch verständlich, warum gerade die ärmeren Schichten der Bevölkerung, bei denen mit der grösseren Unsauberkeit und dem dichteren Beieinanderwohnen die Gelegenheit zur Uebertragung des Krankheitsstoffes wächst, stets in höherem Grade befallen sind als die besitzenden Klassen. Das Trachom spielt im gebirgigen Europa fast gar keine, in Nordeuropa eine sehr unbedeutende Rolle. Dagegen tritt es in der Nachbarschaft Palästinas, in Arabien und ganz besonders in Aegypten, weit verbreitet und in schwersten Formen auf. Das Trachom in Verbindung mit einer anderen schweren Augenkrankheit, der akuten Blenorrhoe, richtet dort in der heissen Jahreszeit so ungeheure Verwüstungen an, dass man in Aegypten unzählige Blinde findet, und noch heute ein Eingeborener in Aegypten mit normaler Bindehaut kaum zu finden ist (Fuchs, 1900). Was das Trachom in Palästina anlangt, so berichtet Tobler in seiner medizinischen Topographie Jerusalems (1855), dass das besonders im Sommer herrschende Trachom dort zum Glück meist in chronischen Formen auftrete. An der Südostseite des Tiberiassees, im Haurän, sind Augenentzündungen, graue Stare, teilweise Erblindungen sehr häufig. Die Behandlung der Krankheit durch Frauen führt oft zu Verschlimmerungen. Der Verlauf ist meist ein mittelschwerer, so dass nur Ilornhautflecke, Horn-