Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1904)
- Article
- Das Trachom in Palästina
- Date
- 1904-06-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 162 — haben wir es mit einer Krankheit zu tun, die sich einerseits durch hohe Kontagiosität und Gefährlichkeit auszeichnet, und von der man andererseits mit absoluter Sicherheit behaupten kann, dass mindestens eine ausserordentliche Eindämmung derselben im Bereich der Möglichkeit liegt. Dieser Gesichtspunkt ist es, der das Studium des Trachoms in Palästina für alle diejenigen, die an eine wirtschaftliche Zukunft des Landes glauben, so anziehend erscheinen lassen muss. Denn hier liegt die Möglichkeit vor, einer schweren Krankheit durch Kleinarbeit in jeder einzelnen Kolonie und später in grossem Stile ohne allzu kostspielige oder allzu eingreifende Mittel ihre Schrecken zu nehmen. Nur einige "Worte über die Symptome und den Verlauf der Krankheit. Das Trachom stellt eine bald plötzlich, bald mehr allmählich sich entwickelnde Entzündung der Bindehaut des Auges dar, die durch einen unbekannten, aber höchstwahrscheinlich bakteriellen Erreger hervorgerufen wird. Neben den Zeichen der Bindehautentzündung, zu denen die Absonderung eines eitrigen Sekretes gehört, zeigen sich auf der Bindehaut bald kleinste Wärzchen (Papillen), bald Körner von charakteristischem Aussehen oder auch beides zusammen. In jedem Falle entwickelt sich eine Verdickung, eine gewisse Rauhigkeit der Bindehaut (jQa%vq rauh); Zuweilen entstehen nun im Verlauf der Krankheit Hornhautgeschwüre, die nach der Abheilung zur Bildung von Hornhautflecken führen. Die dadurch bedingten Sehstörungen kommen gegenüber den Gefahren, denen das Auge bei Eintritt eines Durchbruchs des Geschwürs in die vordere Augenkammer ausgesetzt ist, kaum in Betracht. Ferner kann sich ein neugebildetes feines Gewebe (Pannus) von oben her in die Hornhaut einschieben, das zu Sehstörungen führt. So droht dem Kranken von verschiedener Seite die Gefahr der teilweisen oder vollständigen Erblindung. Nur die leichtesten Fälle heilen. Die meisten erstrecken sich in ihrem Verlauf über viele Jahre, und erst durch die stinischem Boden zu verzeichnen: das Klima von Pethach-Thikwah, welches ein sehr gefährliches Fiebernest gewesen ist, hat sich bedeutend gebessert, ebenso sind auch in Chederah die Malariafälle seltener geworden. Man muss aber bedenken, dass in den palästinischen Kolonien bis jetzt nur wenig auf dem Gebiete der systematischen Bekämpfung der Malaria geschehen ist. Es wurde nur die Anpflanzung der Eukalyptusbäume vorgenommen. Was aber die übrigen vom Verf. aufgeführten Bekämpfungsmittel betrifft, so werden sie fast gar nicht in Anwendung gebracht. Dass diese Mittel sehr wirkungsvoll sein können, beweisen die Ergebnisse in Ismailia (vgl. unsere Notiz in dieser Nummer S. 190). D. Red.