Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Haifa. Handelsbericht für das Jahr 1902
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 148 (sequence 3)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
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— 148 — Die Abnahme der Ausfuhr nach Europa zugunsten des Inlands ist nicht' ausschliesslich auf die schon im Eingänge erwähnte Absperrung, die vom Oktober bis Januar dauerte und die diesmal der Ausfuhr die besten Monate, November und Dezember, entzog, sondern auch darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage dort gering, die Preise niedrig und am Platze sehr hoch waren. Weizen, Sesam, Wein, Gerste, Bohnen, Kichererbsen, Linsen, Johannisbrot und Dari sind die hauptsächlichsten Artikel der Ausfuhr nach Frankreich, Italien, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Grossbritannien und Belgien gewesen. Seitdem die Dampfer der deutschen Levante-Linie unsere Reeden bei Bedarf anlaufen und die Waren ohne Umladung direkt verschifft werden können, ist die Ausfuhr nach Deutschland gestiegen. Ehemals mussten die Waren ihren Weg dorthin über Triest, später über Alexandrien nehmen, um von da auf die Levanteschiffe übergeladen zu werden, was die Fracht ziemlich verteuerte. An Oel, Eigelb, Ei weiss und Skammoniumwurzel bezieht Deutschland sehr wenig von hier, indem Oel in Italien und Amerika lohnenderen Absatz findet, während Lattakia, Tripolis, Alexandrette etc. für Eibestand teile und Beirut für Skammoniumwurzel bessere Bezugsquellen sind. Die Kolonie Zichron-Jacob hat in Belgien ein neues Absatzgebiet für ihre Weine gefunden und versandte mit den Schiffen der Levante-Linie über 1028 Tonnen nach Antwerpen. Diese Weine sind nicht haltbar und müssen sehr rasch getrunken werden, weshalb diese Kolonie ihre Fabrikate ausschliesslich nur in Hafenplätzen verwertet*). Von Sesam bezog Frankreich, wie immer, auch diesmal am meisten, nämlich 3242 Tonnen. Der grüsste Teil der Ausfuhr, welcher nicht nach Deutschland, Oesterreich- Ungarn und Aegypten bestimmt war, wurde hauptsächlich von britischen Frachtdampfern verladen. Akka, das von keinem regelmässigen Postschiff angelaufen wird, ist ausschliesslich auf solche Dampfer angewiesen und muss, wenn es mit Postschiffen verfrachten will, seine Waren in Leichterbooten nach Haifa bringen. Industrie und Gewerbe. Der Distrikt Akka-Haifa pflegt ausser der bereits angeführten Weinfabrikation und einer Seifenfabrik wenig weitere Industriezweige, da seine Bewohner eigentlich nur Ackerbau treiben. Dagegen sind sonst sämtliche Gewerbe vertreten. Hiervon verdient als hiesige Besonderheit eine Erwähnung die Olivenholztischlerei, deren geschmackvoll gearbeitete Erzengnisse, wie Tische, Leuchter, Schmuckkästchen, Präsentierbretter etc. einen wertvollen Absatzartikel bilden, der namentlich während der Touristenzeit stark gekauft wird. Ebenso sind die Nadel- und I-Iäkelarbeiten orientalischer Tücher, Tischdecken, Damenkleidungsstücke etc. ziemlich gesucht und finden seit einigen Jahren in Nordamerika viele Abnehmer. Sehr mangelhaft ist es mit der Gerberei bestellt, denn es gibt im ganzen nur 1.1. Gerbereien, und zwar in Haifa 3 (eine arabische und zwei deutsche), in Akka 4 und in Nazareth ebensoviele arabische. Die beiden deutschen verarbeiteten *) Diese Behauptung des Vicekonsuls Keller trifft durchaus nicht zu. Weiae von Zichron-Jacob wurden in den Kellereien längere Zeit aufbewahrt und büssten ihre Eigenschaften nicht ein, sobald ihre Fabrikation bei günstigen Bedingungen stattgefunden hatte. Sogar Weine von Chederah, die während des Sommers nicht in einem Keller, sondern in einem gewöhnlichen Schuppen gelagert hatten, bewahrten ihre g^uten Eigenschaften und wurden flott abgesetzt. D. Red.