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Altneuland · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. Seite 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Drusen
Date
1904-04-01
Page
Seite 112 (sequence 5)
Language
German
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— 112 — neun Stufen Eingeweihten zur Leugnung jeglicher Religion und Moral führte und im reinen Nihilismus endete. Er selbst ist der Helfer des Mahdi, der letzten überhaupt vorhandenen Inkarnation Gottes; ihm ist man wie seinem Herrn, dem Mahdi, unbedingten Gehorsam schuldig, man darf auch vor Mord nicht zurückschrecken, wenn es der Helfer des Mahdi befiehlt. Die Nachkommen des bei aller Teuflischkeit der Gesinnung genialen'Abdallah setzten sich selbst innerhalb der Sekte, die inzwischen den Namen Karmaten angenommen hatte, an die Stelle des Mahdi und Sacid, der 910 das Fatimidenreich zunächst im westlichen Afrika gründete, nannte sich geradezu cUbeidalläh el-Mahdi. Aber erst sein etwa 80 Jahre nach ihm lebender Nachkomme, el-Häkim, der als Fatimidenkalif in Kairo residierte, machte mit seiner Lehre Ernst. Dieser merkwürdige Fürst, dessen Lebensbild nach August Müllers Urteil1) nur eines Dichters Auge zu enträtseln vermag, und der von seinem Biographen als der grausamste und wahnwitzigste aller Tyrannen bezeichnet wird, Hess zunächst durch ed-Darazi seine Göttlichkeit predigen. Ed-Darazi veröffentlichte 1017 eine Schrift, die er auch in der grossen Moschee zu Kairo vorzulesen begann, in welcher ausgeführt war. dass Adams Seele auf CAH, den Schwiegersohn des Propheten, von diesem auf die Fatimiden und gegenwärtig also auf el-Häkim übergegangen sei. In Kairo von der wütenden Menge mit dem Tode bedroht, flüchtete er, von el-Häkim mit Geld unterstützt, nach Syrien. Als Missionar mit der Lehre von der Göttlichkeit el-Häkims kam er bei den, wie wir schon sahen, in ismailitischem Geiste vorbeeinflussten arabischen Stämmen am Wädi et-Teim an und ebnete dort die Bahn für den zweiten Apostel el-Häkims, Hamza, einen Perser, dem 2 Jahre später, 1019, dasselbe Schicksal in Kairo widerfahren war. Während die Drusen von ed-Darazi den Namen bekommen haben, denn alle anderen Ableitungen des Namens sind unwahrscheinlich, ist Hamza der eigentliche Begründer der drusischen Religion, indem er an Stelle der politischen Tendenzen mehr den religiösphilosophischen Grundgedanken der ismailitischen Lehre, und zwar der des vierten Grades2), betonte. Dabei aber erhält er natürlich die Göttlichkeit el-Häkims, dieses grausamen Tyrannen, als Glaubenssatz, der auch bei den Drusen bis zum heutigen Tag geblieben ist, so dass alles „im Namen unseres Herrn el-Häkim" getan wird. Mit Hamzas Auftreten beginnt die Zeitrechnung der Drusen.!) A. Müller, Der Islam im Morgen- und Abendland, I, 630. 2) Müller, a. a. O , I. 633.

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