Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation Palästinas
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 106 — als Beispiel dienen, namentlich den in der Nähe grösserer Städte gelegenen. Jedoch sind die jüdischen Bauern wie ihre Standesgenossen im allgemeinen sehr konservativ und lassen sich nur durch gelungene Versuche belehren. Vorläufig kann demnach auch von einem Export der Produkte der Rindviehzucht aus den jüdischen Kolonien keine Rede sein, während aus den weiten Weideflächen des transjordanischen Gebietes schon jetzt grössere Mengen Häute und Hörner exportiert werden, eine Ausfuhr, die sich infolge der neuen Eisenbahnen gewiss noch bedeutend heben wird. Dasselbe gilt auch in bezug auf Knochen, die schon jetzt einen nicht unbedeutenden Exportartikel der palästinischen Häfen ausmachen. Kamele werden von den Juden gar nicht gezüchtet und leider nur selten gehalten; die stattlichen Kamelherden Palästinas gehören fast ausschliesslich den nomadisierenden arabischen Stämmen; die Kamel wolle wird auch meist von ihnen selbst zu Zelten, Decken etc. verwendet und gelangt deshalb wenig in den Handel. Die Pferdezucht spielt in Palästina keine solche Rolle, wie man bei der Nähe Arabiens vermuten sollte, und trotz des nicht unbedeutenden Bedaries der jüdischen Kolonien an Pferden ist von grösseren Gestüten daselbst noch nirgends die Rede. Hier dürfte ein gutes Feld für jüdische Intelligenz und Ausdauer gegeben sein. Das Gleiche gilt von den Eseln, während Maultiere im Norden Galilaeas vielfach gezüchtet werden, wenn auch — der religiösen Bedenken wegen — nicht von Juden. Schafe gibt es in manchen jüdischen Kolonien schon in bedeutenden Herden, aber die Schafzucht ist noch mehr als die Rind Viehzucht von grossen Weideflächen abhängig, wie sie sich jenseits des Jordans finden, von wo ja auch grössere Quantitäten Wolle und Felle in den Handel gelangen. Infolge der besseren Aufschliessung des Transjordangebietes durch die Eisenbahnen wird die Schafzucht sich zweifellos noch bedeutend entwickeln. Geflügelzucht wird natürlich in sämtlichen Kolonien getrieben, doch fast ausschliesslich, um den eigenen Bedarf zu decken; ein Export von Eigelb und Eiweiss, wie im nördlichen Syrien, findet bisher nur in geringen Mengen aus Palästina statt, doch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, dass auch dieser Exportartikel von Palästina in grossen Quantitäten geliefert wird.