Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation Palästinas
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 105 - und für eine Versorgung der Städte infolge der schlechten Verbindungsmittel nur einzelne Kolonien überhaupt in Betracht kommen, zumal der geringe Bedarf grossenteils schon von den vorstädtischen Gärten gedeckt wird. Es ist zu hoffen, dass später sich von den küstennahen Kolonien aus ein Export frischer Gemüse nach Port Said hin entwickeln lassen wird, doch stehen dieser Entwicklung vorläufig noch allerhand Hindernisse in Gestalt mangelhafter Transportverhältnisse entgegen. Von Genussmitteln wird bisher nur der Tabak angebaut, der speziell in Mutelle in sehr guter, für Zigarettenfabrikation geeigneter Qualität erzeugt wird. Dies hat auch andere Kolonien veranlasst, sich dem Tabakbau zuzuwenden, und bei der grossen und wachsenden Nachfrage nach türkischem Tabak dürfte gerade diese Kultur einer bedeutenden Steigerung fähig sein. Auf die Herstellung ätherischer Oele wurde von der früheren Baron Rothschild sehen Administration viel Wert gelegt, auch ist die Möglichkeit der Produktion der verschiedensten Oele glänzend bewiesen; nur rentierte die Fabrikation nicht infolge der hohen Verwaltungskosten. Jetzt hat ein jüdischer Privatmann die Destillation ätherischer Oele auf eigene Rechnung in die Hand genommen und gewinnt sowohl aus kultivierten Pflanzen wie Geranien, Rosen und Cassien (Acacia Farnesiana), das Oel als auch aus wild wachsenden Pflanzen, besonders Umbelliferen. Es ist anzunehmen, dass bei dem Reichtum Palästinas an wohlriechenden Labiaten, wie Thymian, Lavendel, Salbei, Majoran, Melisse, sowie an gewürzhaften Umbelliferen, in der Art wie in den südfranzösischen Gebirgsgegenden die Aufstellung tragbarer Destillierblasen an bevorzugten Plätzen sich rentieren würde, ebenso wie auch die Kultur wohlriechender Essenzen einer grossen Ausdehnung fähig ist. Was die Zucht von Rindvieh betrifft, so wird sie bisher von den jüdischen Kolonisten im allgemeinen nur soweit betrieben, als zur Deckung des häuslichen Bedarfs an Milch erforderlich ist. Es liegt dies daran, dass die im vorderen Palästina den einzelnen Dörfern zur Verfügung stehenden Weideflächen keine besonders grosse Ausdehnung haben, und ein rationeller Futterbau daselbst bisher noch nicht betrieben wird. Der durch den vorteilhaften Milchverkauf in Jaffa gezeitigte Futterbau der deutschen Kolonie Sarona, wo Mais, Wicken, Runkelrüben, Alexandriner Klee, Luzerne und Kürbis als Grün- und Trockenfutter in- Masse kultiviert werden, sollte den jüdischen Kolonien