Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation Palästinas
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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— 103 — immerhin aber in einigen Jahren von Bedeutung werden dürften; sowohl in Judäa als in Galiläa besitzen die Kolonien Mandelpflanzungen. Aprikosen und Pfirsiche wTerden wegen der Schwierigkeit der Verwertung infolge des Fehlens von Konservenfabriken bisher nur relativ wenig in den jüdischen Kolonien angebaut, merkwürdigerweise auch die Feigen, obgleich alle diese Früchte in getrocknetem Zustande einen bedeutenden Handelsartikel würden bilden können. Von grösserer Bedeutung hingegen sind die Maulbeerpflanzungen, die insgesamt etwa 330 ha einnehmen, und zwar besonders in den älteren Kolonien Judäas, Samarias und Galiläas zu finden sind. In Rosch Pinah in der Gegend des Meromsees ist sogar schon eine Seidenspinnerei mit Dampfbetrieb eingerichtet, die aber vorläufig noch viele Kokons aus den Dörfern des Libanon zu kaufen gezwungen ist. Auch eine kleine Weberei und Färberei ist hiermit verbunden, die sich aber gegenwärtig noch in einem Versuchsstadium befindet. Die Seidenzucht hätte in den jüdischen Kolonien unzweifelhaft schon eine bedeutend grössere Ausdehnung erlangt, wenn sie nicht gerade in den 90er Jahren in der Zeit der Baisseperiode ins Leben gerufen worden wäre, wo bei Preisen von 1,80—2 Frcs. pro Kilogramm Kokons eine Rentabilität nicht zu erzielen war. Die jetzigen Preise von 3,50—4 Frcs. haben zwar einige der christlichen Eingeborenen in Galilaea zu Neupflanzungen veranlasst, die jüdischen Kolonisten stehen aber grossenteils dem Seidenbau immer noch skeptisch gegenüber.1) Die Eucalyptuspfianzungen sind nicht des Ertrages wegen, sondern behufs Sanierung sumpfiger Gegenden angelegt. Es finden sich solche Wälder resp. Haine in Pethach-Thikwah, Sichron-Jacob, besonders aber in der bis vor kurzem sehr ungesunden Kolonie Chederah, woselbst etwa 300 000 Bäume angepflanzt worden sind, grösstenteils der Eucalyptus resinifera genannten Art angehörend, dem roten Mahagony-Eucalyptus aus Süd-Queensland und New-South-Wales, dessen Holz in seiner Heimat wegen seiner Stärke und Dauerhaftigkeit sehr geschätzt wird. Da dieser Baum auch in Palästina schnell wächst und eine beträchtliche Höhe erreicht, so ist anzunehmen, dass diese Waldungen in einigen Jahren gute Erträge geben werden, sei es x) Siehe A. Aaronsohn u. Dr. 3. Soskin: „Die Zukunft des Seidenbaues in Palästina" in „Palästina", Heft 3 u. 4, 1902, S. 123—153.