Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation Palästinas
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — vieler der jüdischen Kolonien ist in hervorragender Weise dazu geeignet, und wenn nicht die Anlagen so bedeutende Mittel erforderten und man nicht auf die Ernte so viele Jahre zu warten hätte, so würden die Bujaren schon heute ebenso viel Tausende Hektar bedecken, wie jetzt Hunderte. Hier kann ein richtig geleitetes Vorschusswesen, z. B. eine Art Hypothekenbank oder ein anderes Kreditinstitut, das langfristige Vorschüsse gewährt, ungemein zur Ehtwickelung der Kolonien beitragen, und es liegen auch schon dahin zielende Anregungen vor. In bezug auf die sonstigen Baumpflanzungen können wir uns kürzer fassen; es sind vor allem Oliven, Mandeln, Feigen, Aprikosen, Pfirsiche, Maulbeeren sowie die Eucalyptuswälder. Die Olivenkultur ist ja eine der allerwichtigsten Kulturen Palästinas; leider aber wird das Produkt in so mangelhafter Weise behandelt, dass das Oel keinen sehr hohen Preis erzielt und deshalb grossenteils an Ort und Stelle zur Seifenbereitung, verarbeitet wird, so dass jährlich für ca. 2l/2 Millionen Frcs. Seife exportiert wird. Die jüdischen Kolonien sind vorläufig noch wenig am Olivenbau interessiert, es werden aber immerhin schon 440 ha Oliven aufgezählt, was bei sehr gering angenommenen Durchschnittserträgen von 500 Frcs. pro Hektar doch in einigen Jahren einem Wert von über 200 000 Frcs. entsprechen dürfte. Die Olive braucht einige Jahre mehr bis zur Erntereife als die meisten anderen Fruchtbäume; in Kalifornien rechnet man bei sehr sorgfältiger Kultur für Mandel, Pfirsichr Aprikose, Feige, Orange vier Jahre, für die Olive sechs Jahre,, bei der im Orient üblichen mangelhaften Kultur sind sogar acht bis zwölf Jahre bis zur ersten Ernte erforderlich. Das ist der Grund, warum sich die jüdischen Kolonisten bisher nur so wenig mit der gerade für Palästina so hervorragend gut geeigneten Olivenkultur befasst haben. In dem jetzigen stetigen Stadium der Kolonisation wird ohne Zweifel dieser Kultur bald viel mehr Beachtung geschenkt werden, wozu die Ansätze schon jetzt erkennbar sind. Keine Kultur eignet sich so gut wie diese für Leute, welche, ohne schon selbst nach Palästina auswandern zu wollen, sich dort Land zu kaufen beabsichtigen und mit relativ wenig Unkosten und fast ohne Risiko denWert desselben für die Zukunft steigern wollen. Die auf etwa 350 ha berechneten Mandelpflanzungen der jüdischen Kolonien haben schon seit einigen Jahren begonnen* Erträge zu liefern, die freilich vorläufig noch nicht gross sind,