Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation Palästinas
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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— 99 — DasHauptprodukt der jüdischen Kolonien ist, wie obenerwähnt, der Wein, der in mehr als der Hälfte sämtlicher Kolonien gebaut wird. Die Produktion betrug 1901 32 000 hl, 1902 46 000 hl und 1903 ca. 60 000 hl; teils sind es Süssweine, wie Portwein und Malaga, teils herbe Weine, ihrem Charakter nach entweder .bordeauxartig oder dem roten und weissen Burgunder entsprechend. Auch Kognak wird jetzt vielfach in den Kolonien hergestellt, namentlich in solchen, die fernab von den Kellern liegen. Die beiden Hauptkeller, früher Baron Edmund von Rothschild, jetzt der von ihm eingesetzten Palästinakommission der Jewish Colonization Association gehörend, befinden sich in Rischon le Zion und Sichron-Jacob und können zusammen etwa 60 000 hl Wein fassen; in dem Keller von Rischon le Zion sind •ca. 43 Arbeiter beschäftigt, zur Zeit der Weinlese sogar 75—80. Der Wein geht grösstenteils nach Hamburg, wo die Weingesellschaft Eliadah im Freihafen ein grosses Lager hat. Von hier wird der Wein hauptsächlich nach England verkauft, vielfach .aber auch nach Frankfurt und anderen deutschen Plätzen, sowie nach Nordeuropa. Da der Wein schwer ist — enthält er doch 11 —13% Alkohol —, viel Extraktivstoff besitzt, dagegen wenig Säure und Aroma, so eignet er sich vorzüglich zur Mischung mit dem leichten aromatischen, sauren Weine des Weinbaugrenz- •gebietes in Deutschland. Man bezeichnet ihn demnach als sog. Verschnittwein, wenngleich eigentlich der Palästinawein die Basis abgibt und der deutsche Wein als Verschnittwein benutzt wird. Das Resultat wird dann auf dem Kontinent Bordeaux und in England Ciaret genannt. Es ist einleuchtend, dass der Konsum solcher Weine einer grossen Steigerung fähig ist, werden doch allein in Deutschland gegen 700 000 hl Wein jährlich importiert, von denen ein grosser Teil Verschnittweine aus Südeuropa sind. Eine Abschliessung gegen die zur Mischung dienenden Südweine seitens Deutschlands muss als ausgeschlossen gelten, da die Winzer der Grenzgebiete der Weinkultur unbedingt solcher Weine zur Mischung benötigen. Freilich werden die für Verschnitt- Weine erzielten Preise keiner grossen Steigerung fähig sein, aber sie ermöglichen doch schon jetzt in Palästina dieZahlung von20Frcs. pro Kantar, gleich 300 kg Trauben, die etwa 2 hl Wein geben. Hierbei berechnet man bei einer Bruttoeinnahme von 450 bis 500 Frcs. pro Hektar einen Reingewinn von 170 bis 218 Frcs., falls der Keller in der Kolonie ist, so dass der Kolonist, der über 5 ha Weinland verfügt, damit wohl auskommen sollte. Wenn die 2500 ha Weinland erst in voller Produktion .stehen