Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Harmonische und disharmonische Genossenschaften
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 79 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 79 — Lage sein wird, sich mit einem geringeren Einzelgewinnsatz als vorher an einer verminderten Warenmenge zu begnügen, so dass sein Gesamtprofit auf das empfindlichste von zwei Seiten her zusammenschrumpft. Dieser Eventualität kann er sich nicht aussetzen; und so wird in jedem Zweige der Produktion, der nicht syndiziert ist, oder in dem nicht ein einzelner Produzent den Markt fast monopolistisch beherrscht, die Folge einer Erniedrigung des Preises gerade die sein, dass jeder einzelne Produzent seine Erzeugung und sein Angebot vermehrt und den Preis seiner Ware noch tiefer wirft. Während wir also sahen, dass das privatwirtschaftliche Interesse des einzelnen Käufers ihn zu einer Handlungsweise führt, die mit dem Kollektivinteresse sämtlicher Käufer derselben Ware auf das glücklichste harmoniert, sehen wir, dass gerade umgekehrt das Privatinteresse des einzelnen Verkäufers ihn zu einer Handlungsweise führt, die mit dem Kollektiv in teresse der Gesamtheit der Verkäufer derselben Ware in der denkbar stärksten Weise kollidiert. Wir haben also die vollste Harmonie zwischen sämtlichen Käufern und die* vollste Disharmonie zwischen sämtlichen Verkäufern. Hier liegt der Schlüssel für die Psychologie und damit für die Handlungsweise rein wirtschaftlicher Vereinigungen, d. h. der Genossenschaften. Alle Genossenschaften von Käufern, d. h. alle Vereinigungen solcher wirtschaftenden Subjekte, die Waren vom Markte nehmen, um sie im inneren Kreise letzter Konsumenten zu verteilen, haben jederzeit das glücklichste Gedeihen aufgewiesen. Es sind dies die wirklich als letzte Konsumenten organisierten Verbände des Konsumvereins, der Kreditgenossenschaft, der Rohstoff-, Werk- und Baugenossenschaft. Ich nenne diese Verbände daher die harmonischen Genossenschaften. Dagegen sind die wirtschaftlichen Verbände von Verkäufern niemals zu Erfolg und Blüte gelangt, d. h. Genossenschaften solcher wirtschaftenden Subjekte, die Waren im inneren Kreise herstellen, um sie durch Verkauf auf den Markt zu bringen. Dazu gehören vor allem und unter allen Umständen industrielle Produktiv- und Magazingenossenschaften, und ferner diejenigen Formen des Konsumvereins und der Kreditgenossenschaft, die nicht als letzte Konsumenten organisiert sind, sondern die von einem inneren