Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Harmonische und disharmonische Genossenschaften
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 78 (sequence 3)
- Language
- German
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— 78 — begräbt den Produzenten die seinem Willen entzogene Welle der Konjunktur. Im regelmässigen wirtschaftlichen Leben aber der Industrie wird der Produzent fortwährend vor die Frage gestellt, auf welche Weise er die beiden Faktoren bewusst variieren soll, um seinen Gesamtprofit in günstigen Zeiten zu steigern und im ungünstigen mindestens zu bewahren. Wird es für ihn vorteilhafter sein, von wenigen Waren einen hohen Einzelprofit oder von mehr Waren einen niederen. Einzelprofit einzuziehen? Soll er seine Produktion, sein Einzelangebot, ausdehnen oder einschränken? Das ist der Gegenstand seiner Spekulation". Beide Wege werden bekanntlich beschritten. Wir haben vor einiger Zeit in, der Beschränkung der Kohlenförderung, der Roheisenproduktion u. s. w. ein grossartiges Beispiel für die erste Methode erlebt, die den Gesamtprofit durch Verminderung des Absatzes und hohe Preise an der Wareneinheit hebt. Aber diese Methode ist nur in den verhältnismässig noch seltenen Fällen anwendbar, wo der Einzelproduzent sicher ist, dass die Verminderung seines Individualangebots auch eine entsprechende Verminderung des Gesamtangebots herbeiführt, also nur da, wo ein Einzelunternehmen ein faktisches oder rechtliches Monopol besitzt (wie z. B. der Bernstein-Becker es hatte); oder da, wo die grosse Mehrzahl der Unternehmer einer Branche durch bindende Verträge zusammengeschlossen sind, also in Trusts, Syndikaten und dergl. In allen anderen Fällen aber, d. h. unter den normalen Bedingungen eines Marktes, wie wir ihn um uns vor Augen haben, ist es wahrscheinlich, dass in 99 von 100 Fällen der Verkäufer den zweiten. Weg einschlagen wird, in der Hoffnung, seinen Gesamtprofit durch vermehrtes Angebot und durch Verkauf von mehr Wareneinheiten bei verringertem Gewinnsatz an der einzelnen Ware auf der Höhe zu halten. Denn da, wo ein Zweig der Warenerzeugung nicht durch bindende Verabredungen seitens der Mehrzahl sämtlicher Produzenten unter einen Willen gebracht ist, da kann der einzelne Produzent nur sehr selten darauf rechnen, dass die Verminderung seines individuellen i\n,gebots auch eine Verminderung des Gesamtangebots bewirken wird. Er kann ziemlich sicher sein, dass seine Konkurrenten ganz im Gegenteil dann erst recht ihre Produktion ausdehnen werden, um ihren Gesamtprofit auf der Höhe zu halten; und dass er dann als Strafe für seine Vorsicht in der