Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Harmonische und disharmonische Genossenschaften
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 77 (sequence 2)
- Language
- German
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- 77 - wie es der einzelne Käufer hat bei steigendem Preise, seine individuelle Nachfrage einzuschränken? Wenn man die heutige, wie man sie gern nennt, „kapitalistische" Wirtschaft ins Auge fasst, so hat der einzelne Verkäufer augenscheinlich das starke Motiv, gerade den entgegengesetzten Weg einzuschlagen, nämlich sein individuelles Angebot zu vermehren, statt es zu verringern. Denn sein Interesse zielt auf einen möglichst hohen G e - samtprofit aus seinem Geschäfte. Dieser Gesamtprofit ist ein Multiplikand aus zwei Faktoren. Der eine Faktor ist der auf die Wareneinheit (z. B. eine Tonne Eisen, ein Meter Tuch) entfallende Einzel profit; der andere Faktor ist die Zahl der abgesetzten Wareneinheiten. Beide Faktoren sind variabel, und es ist erforderlich, sich den Einfluss klar zu machen, den ihre Variation, auf das Resultat, nämlich den Gesamtprofit, ausübt. Der günstigste Fall ist der, wenn sowohl der Einzelprofit als auch die Zahl der abgesetzten. Wareneinheiten wachsen. Ein solcher Fall tritt z. B. ein, wenn ein Bezirk eine reiche Ernte bei. schlechter Welternte einheimst. Dann wächst der Gesamtprofit des Landwirts ausserordentlich stark. — Im Gegenteil dazu tritt der ungünstigste Fall ein, wenn sowohl der Einzelpreis als die Zahl der abgesetzten Einheiten sinken, z. B. wenn eine schlechte lokale Ernte mit hoher Welternte und niederen Preisen zusammentrifft. Wenn aber einer der beiden Faktoren sinkt, während der andere steigt, kann das Resultat, der Gesamtprofit, sowohl steigen als auch sinken, je nachdem der eine oder der andere Faktor überwiegt. Der günstigste, ebenso wie der ungünstigste Fall der Variation beider Faktoren in einem Sinne sind meist Ausnahmeersch.einun.gen, und jedenfalls so gut wie stets dem wirtschaftlichen Willen der Produzenten entzogen. Wir haben darum absichtlich Beispiele aus der' Landwirtschaft gewählt,'wo es sich um Folgen aus Naturtatsachen handelt. In der Industrie handelt es sich hier regelmässig um ^vorübergehende Erscheinungen/', die nicht dem regelmässigen Bilde angehören. So z. B. stellt das berühmte A. Smith sehe Beispiel von dem plötzlichen Eintritt einer Landestrauer mit ihrer sofort folgenden starken Preissteigerung schwarzer Kleidungsstoffe ein Beispiel für den günstigsten, das Aussterben der Panzerschmiede ein solches für den ungünstigsten Fall dar. Hier hebt oder