Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Die Dorfschule in Palästina
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 74 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 74 — sonders jenes Teiles, der von der Nation geschaffen wurde, als sie noch im wesentlichen ein Bauernvolk war, d. h. die intensive Pflege biblischen Schrifttums. Freilich werden wir in späteren Einzelausführungen zeigen, wie Bücher wie nbnp niemals zum. Lehrgegenstand der Dorfschule werden können. Also wird auch von der späteren hebräischen Literatur philosophisches Grübeln und überfeinerte Aesthetik diesem Dorfschulunterricht fernbleiben, während der Mischnahtraktat nw, keineswegs für ihn ein überwundener Standpunkt sein kann. Der historische Lehrinhalt des Judentums ohne alles Beiwerk muss der jüdischen Jugend in Palästina zu eigen gegeben werden. In diesem Sinne und wiederum im engsten Zusammenhange mit dem Grundgedanken aller Pädagogik vom Nächstgelegenen zum Fernerliegenden überzugehen, muss der historische Unterricht die Geschichte des jüdischen Volkes und des Judentums, daneben die Palästinas zum Ausgangspunkt nehmen. Aus der jüdischen und palästinischen Geschichte heraus ist dann die Möglichkeit gegeben, in grossen und markanten Zügen die Weltgeschichte zu entwickeln. Hier aber hat schon jetzt ein gewisser politisch-sozialer Trieb, dessen Berechtigung hier sonst nicht beurteilt werden soll, dazu geführt, dass die wenigen hebräischen Lehrbücher der Geschichte gewissermassen zu abstrakt sind. Man soll sich aber bemühen, möglichst Konkretes und Greifbares zu geben, da der menschliche Geist in einem bestimmten Alter von selbst dazu kommt, Abstraktionen zu machen. Deshalb ist für die Elementarstufe aller unserer Schulen, und insbesondere für alle unsere Dorfschulen die gegebene Form alles historischen Unterrichts die Biographie. Natürlich wird der seinem Amt und Beruf gewachsene Lehrer imstande sein, Zustände und Entwickelung in der einzelnen Biographie und in ihrem Zusammenhange mit andern anschaulich werden zu lassen. Immerhin darf der historische Unterricht niemals den Rahmen der Dorfschule verlassen. Er muss aber im engsten Zusammenhange mit Landes- und Erdkunde erteilt werden, und ohne Landkarte und historische Schulbilder sollte keine Geschichtsstunde stattfinden. Wie das Land der feste Grund und Boden ist, auf dem sich die geschichtlichen Ereignisse abspielen, so ist der geographische Unterricht unerlässlich neben und vor dem historischen. Ohne Landes- und Länderkunde ist ein Geschichtsverständnis unmöglich. Auch aus diesem Grunde wird die Schule besonderen Wert auf die Geographie legen müssen. Hierbei liegt es auch für den Laien auf