Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- Die Dorfschule in Palästina
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 73 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehranstalten dürfen wir die hebräische Volksschule nicht stecken lassen. Aber wir dürfen darum nicht in den entgegengesetzten Fehler verfallen, nun die hebräische Sprache in diesen Schulen in dem Sinne zu pflegen, dass neben ihr reale Fächer keinen oder nur geringen Platz haben. Denn das Ziel ist nicht, hebräische Schriftsteller zu erziehen, sondern jüdische Bauern mit hebräischer Muttersprache. Darum soll die Sprache aus dem ländlichen Vorstellungskreise entwickelt werden. Denn die Sprache des Schülers soll sich an dem bilden, was er um sich sieht, wenn auch dann auf dieser Grundlage sein geistiger Horizont über den engen Dorfkreis hinaus erweitert werden soll. Die hebräische Sprache des jüdischen Bauern muss den frischen Erdgeruch Palästinas haben. Aber so sehr wir aus Gründen vernünftiger Volkserziehung gegen die Pflege fremder Sprachen in der Dorfschule sein müssen, so können wir es doch nicht übersehen, dass das jüdische Kolonisationsgebiet inmitten einer arabisch sprechenden Bevölkerung sich deren Einwirkung nicht entziehen kann. Der Araber kommt als Tagelöhner und als Beamter, in Handel und Wandel täglich mit dem Juden in Berührung, und ein natürlicher Sprachaustausch findet dauernd statt. Es ist eine Tatsache, dass jeder jüdische Bauernjunge in unseren Dörfern mehr oder minder Arabisch versteht, und dass diese Kenntnis mit den Jahren wächst. Ohne daher den Schüler anzustrengen, könnte man ihn in die Elemente dieser für den Verkehr mit den Behörden notwendigen Sprache und Schrift einführen, während heute meisthin die Kolonie in grösster Verlegenheit ist, wenn ein arabischer Brief oder gar ein amtliches Schreiben eintrifft. Dabei ist ausdrücklich stets zu beachten, dass das Arabische eben nur soweit als Lehrgegenstand zu behandeln ist, als es diesem Zwecke dient und nicht auf Kosten irgend eines anderen Faches erteilt wird. Wenn die Grundlage alles Unterrichts die Anschauung sein muss, und jede Abstraktion nur auf Grund des Gesehenen erfolgen kann, so ist es folgerichtig, dass alles Wissen und Denken aus der nächsten Umgebung und aus Familie, Haus und Dorf heraus entwickelt werden muss.- Es entspricht daher einer vernünftigen Erziehung, wenn die Eigenart des jüdischen Hauses und das Wesen des eigenen Volkes die breite Basis alles historischen und kulturellen Wissens werden. Es gibt darum auch aus diesem Grunde nichts Bildenderes für die jüdische Dorfjugend, als die genaue Kenntnis der hebräischen Literatur und be-