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Altneuland · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
Die Dorfschule in Palästina
Date
1904-03-01
Page
Seite 72 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 72 - zwischen Dorf- und Stadtschule beizubehalten und sogar mehr als bisher zu betonen. Denn wir müssen uns darüber klar sein, dass die Dorfschule zwar durchaus nicht niedriger stehen darf als die Volksschule in der Stadt, dass sie aber anders organisiert sein und die Lehrgegenstände anders verteilen und anordnen muss entsprechend den veränderten Bedürfnissen, denen sie dient. Denn auf der Volksschule der Stadt, die von vornherein die gewerbe- und handeltreibende Bevölkerung mit dem geistigen Rüstzeug für ihre Berufe versehen soll, werden wir die höhere Schule aufbauen, 'die für Palästina für absehbare Zeit nur eine Art von Eeal- und Gewerbeschule sein kann. Die gehobene Landwirtsch^ftsschule muss sich dagegen auf der Dorfschule gründen. Wenn wir nun in einigen grossen Zügen das Ziel umgrenzen, das der Volksschule auf dem Lande gesteckt wird, so gewinnt dies erst Gestalt und realen Wert, wenn wir später die Unterrichtspensa feststellen und auf die Kurse der verschiedenklassigen Schulen verteilen. Dagegen muss grundsätzlich daran festgehalten werden, dass die Dorfschule in unserem Kolonisationsgebiet, mehr noch als die Volks- «und Bürgerschule der Stadt, unter keinen Umständen eine Sprachschule sein darf. Das schliesst natürlich nicht aus, dass der Muttersprache eine intensive Pflege zuteil werden muss. Im Gegenteil können wir um so leichter auf fremde Sprachen verzichten, um wie reicher der Wort- und Gedankenschatz ist, der unseren Zöglingen in der Muttersprache zu Gebote steht. Es ist daher aus pädagogischen Gründen ebenso sehr die tiefgehendste Pflege des Hebräischen geboten, nicht nur als Unterrichtssprache, als vielmehr auch rein als Sprache an sich betrachtet, wie nationaljüdische Erwägungen zu dieser gleichen Forderung kommen. Sämtliche Schulen des Orients, mit alleiniger Ausnahme der rein islamischen Anstalten, haben das tiefstehende Niveau ihrer Zöglinge und deren augenfällige Oberflächlichkeit dadurch verschuldet, dass sie von dem in seiner Verallgemeinerung überwundenen pädagogischen Leitsatze, dass Sprachen bilden, zu dem falschen Schlüsse gekommen sind, dass Sprachen Bildung seien. Dazu kommt, dass ihre Verbreitung auf die Gebiete verschiedener Sprachen sie von der liebevollen'intensiven Pflege der Muttersprache, die zur Bildungwirklich unumgänglich notwendig ist, in gleichem Masse ablenkt, wie auf die extensive Pflege verschiedener Sprachen Zeit und Mühe verwendet wird. In diesem Grundfehler aller orientalischen

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