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Altneuland · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. Seite 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
(Originalbericht) [Nachricht] / A. A.
Date
1904-02-01
Page
Seite 56 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 56 — ihnen wenig Boden besitzt. Die jedermann zugeteilte Fläche würde bei einer methodischen rationellen Arbeit reichlich genügen. Wenn sie gut gearbeitet hätten, so würden sie ihr Auskommen haben können.*) Wir sagen schon jetzt voraus, dass die Lage der Kolonisten von Kastinieh sich in nichts verbessern wird durch die 100 Dunam Boden, die jedem zu den 200—300, die er schon besitzt, hinzugegeben werden. Unserer Ansicht nach müsste man den neuangekauften Boden neuen Kolonisten geben, welche die kleine Gemeinde von Kastinieh auf diese Weise an Zahl verstärkt hätten und die Gemeindelasten, die jetzt die kleine Kolonie drücken, zu tragen helfen würden. Ein frisches neues Element würde die Kolonie beleben und das jüdische Element in dieser Gegend verstärken. Ein solches Vorgehen würde zu einem guten Resultat führen und nicht die Zuteilung von mehr Boden an Leute, die sich unfähig zeigten, aus dem ihnen reichlich bemessenen Acker ihre Existenzmittel zu ziehen. Katra (Gederah). Mangels für Feldbau geeigneten Bodens treiben hier die Kolonisten ausschliesslich Weinbau (abgesehen von wenigen unbedeutenden Mandelpflanzungen). Die seit mehreren Jahren versuchsweise unternommene Alkoholdestillation lässt auf einen Absatz rechnen und somit bessere Zeiten erhoffen. Man geht sogar in einzelnen Fällen schon an die Anlage von neuen Weinbergen heran. Merkwürdig aber ist der Umstand, dass die Kolonisten hier, trotzdem die Phylloxera schon vor der Tür ist, **) französische statt amerikanischer Reben pflanzen. Sie versuchen es dadurch zu rechtfertigen, dass der ihnen zur Verfügung stehende Boden so kalkreich wäre, dass in ihm keine amerikanische oder franco-amerikanische (Hybride) Rebe fortkommen könnte. Es ist eine durch nichts begründete Behauptung, denn drüben wurde nicht einmal eine einfache Kalkuntersuchung gemacht. Wir müssen entschieden vor diesem verhängnisvollen Leichtsinn warnen. Rehoboth. Ebenso geht die Gesellschaft „Menuha Wenahla" an die Anlage von neuen Weinbergen heran.***) Hier wiederum pflanzt der Leiter der Gesellschaft, diesmal aus Billigkeits-Rücksichten nur die Hälfte amerikanischer Reben, während die andere Hälfte französisch ist. Dieses Vorgehen mag in Ländern angebracht sein, die noch die Phylloxera nicht haben, falsch ist es gewiss für Palästina und dürfte sich arg rächen. Auch neue Mandelpflanzungen sollen hier angelegt werden. Noch vor wenigen Jahren als aussichtslos hingestellt, gewinnt die Kultur der Mandelbäume immer mehr Freunde, da die für Mandeln erzielte Preise sehr zufriedenstellend sind. Ekron. Durch Ankauf von einigen Parzellen Boden wurden hier im vorigen Jahre einige Kolonisten installiert. Es sind noch einige zu installieren. Die Kolonisten zeichnen sich in Ekron durch Einfachheit und Schlichtheit aus, sie sind gute Arbeiter, den Neuerungen aber wenig zugänglich. Es ist zu bedauern,'^ dass sie den von der Administration unter sie aufgeteilten Orangen- und *) Die Ansicht unseres Berichterstatters deckt sich mit der unsrigen. (Vgl. unsere Anmerkung in jSTr. 1, S. 28). Die Lage der Kolonie verschlimmerte sich noch durch eine Viehsterbe, die sie eines grossen Teiles ihres Viehbestandes berauhte. Um dieser momentanen, durch die Kolonisten nicht verschuldeten Not zu steuern, beschloss der Berliner Verein „Ezra", den Kolonisten 3000 Frcs. zur Anschaffung von Vieh vorzuschiessen. D. Red. **) Bekanntlich wurden die Weinberge von Zichron-Jacob in Samaria von der Phylloxera vernichtet. D. Red. ***) Die Anlage von neuen Weinbergen in Katra und Rehoboth spricht am besten gegen die aufgestellte Behauptung der Aussichtslosigkeit der auf die Herstellung von Wein gerichteten Rebkultur in Palästina. Wir kommen an anderer Stelle auf diese Präge zurück. D. Red.

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