Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- (Originalbericht) [Nachricht] / A. A.
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 57 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2266000-2266001-2266004--0143-2266272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 57 - Obstgarten vernichtet haben. Wenn auch zuzugeben ist, dass dieser Garten durchaus keine Musteranlage war, so stellte er "doch einen gewissen Wert dar und es ist direkt unverzeihlich, dass die Bäume niedergeschlagen und zur Heizung des Gemeindebades verwendet wurden. (Forts, folgt.) A. A. Rischon-le-Zion. Ueber die jetzt die jüdischen Zeitungen allgemein beschäftigende Weinfrage in den jüdischen Kolonien erfahren wir aus authentischer Quelle (von dem soeben aus Palästina zurückgekehrten Direktor der Hamburger Weinniederlage Eliadah Herrn W. Bambus) folgendes: Die Preise für die ordinären Trauben bleiben auf derselben Höhe, d. i. sie werden mit 20 Frcs. per Kantar (300 kg) bezahlt. Dieser Preis entspricht auch dem Wert des Produktes und kann füglich den Kolonisten auch weiter gezahlt werden. Für Alikante, der jetzt durchwegs zur Herstellung von Süsswein verwendet werden soll, werden 23 Frcs. per Kantar gezahlt. Die Preise für Malbeck sollen nunmehr 28 Frcs, und für Cabernet-Sauvignon 40 Frcs., für die weissen Sorten 30 Frcs. betragen. Besonders schwer empfinden die Kolonisten den Preissturz der beiden feineren Rotweinsorten (Malbeck und Cabernet-Sauvignon). Die Administration stützt sich aber auf die Tatsache, dass von diesen feineren Weinen ein nur verschwindend kleiner Teil zu guten Preisen als besserer Rotwein verkauft werden kann, während der grosse Rest als ordinärer Wein verkauft wird; ein kleiner Teil kann auch zu einer Aulbesserung des ordinären verwendet werden. Während 16 000 Hektoliter 8000 Kantar dieser guten Sorten produziert werden, kommen nur ca. 2000 Hektoliter als gut bezahlter besserer Rotwein zum Absatz. Darum konnte auch die Administration nicht die früher gezahlten, in keinem Verhältnis zum wirklichen Wert des Produktes stehenden Preise aufrecht erhalten. Wenn wir es auch zugeben können, dass bei Cabernet-Sauvignon ein Preisniedergang nur schwer zu verschmerzen ist, da diese Sorte wenig trägt, selten mehr als 1 Kantar per Dunam, so scheint uns doch bei Malbeck die Schädigung der Kolonisten, wenn sie überhaupt vorhanden sein sollte, sehr unbedeutend zu sein , denn Malbeck ist sehr produktiv. Er unterscheidet sich darin nur wenig von den ordinären Sorten (abgesehen von Alikante). Erträge von 2 Kantar per Dunam sind nicht selten. Eine andere Frage ist es, wie man diesem Missverhältnis zwischen Produktion von besseren Sorten und der Absatzmöglichkeit des aus ihnen erzeugten AVeines aus dem Wege gehen könnte. Sicherlich lässt sich noch Vieles durch bessere Absatzkonjunkturen erreichen. Dann aber müssten bei Neuanlagen nur die ordinären Sorten berücksichtigt werden, bis sich schliesslich ein richtiges Verhältnis herausstellt. Auch würde sich in vielen Fällen ein teilweises Umpfropfen von ordinären auf diese besseren Sorten empfehlen. Ein Ausroden, also die Vernichtung eines Weinberges müsste nur im äussersten Falle, etwa be: alten schwachtragenden europäischen Stöcken, in Anwendung kommen. Ein vollständiges Ineinandergreifen der beiderseitigen Interessen würde freilich nur dann zustande kommen, wenn sich die Interessen der Weinproduzenten und der kaufmännisch denkenden Administration verschmelzen Hessen. Dies könnte nur erreicht werden, wenn das ganze Weingeschäft, sowohl die Fabrikation als auch der Absatz, welch letzterer schon jetzt eine gesunde Organisation besitzt, von einer grossen Gesellschaft übernommen werden könnte, an der die Kolonisten sich als Produzenten beteiligen würden. Es sind Anzeichen vorhanden, dass die Bildung einer solchen Gesellschaft nicht lange auf sich warten lassen wird.