Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- (Originalbericht) [Nachricht] / A. A.
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 55 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 55 — Bedingungen, wie wir es auseinandergesetzt haben, ganz andere: nicht nur ein drittes, sondern ein viertes, ja manchmal ein fünftes Schwefeln wäre angebracht gewesen. Die Kolonisten aber, denen Fachkenntnisse, besonders in bezug auf Pflanzenkrankheiten abgehen und die keine Versuchsstation im Lande haben, die sie rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam machen könnte, schlössen, da die ersten zwei Anwendungen von Schwefel erfolglos waren, dass der Schwefel schlecht gewesen sei und wiederholten deswegen diese Operation nicht mehr. Nun war aber der Schwefel des nämlichen Ursprungs und derselben Qualität, wie jedes Jahr, und demnach die Schlussfolgerung der Kolonisten unrichtig. Was die Bekämpfung der Peronospora-Krankheit betrifft, so war die Sache den Kolonisten überhaupt noch neu, sie wussten nicht, wie man sich ihr gegenüber verhalten soll und fast überall, mit ein bis zwei Ausnahmen, setzte die Bekämpfung zu spät ein. Merkwürdig genug ist es, dass in einer Kolonie, wo die Verwaltung die Weinbergs-Spritzen und das Material (Kupfervitriol, Kalk) rechtzeitig besorgte, auf Anordnung des Inspektors (!) das Auftreten der Krankheit abgewartet wurde, um mit ihrer Bekämpfung zu beginnen. Nun ist es doch eine elementare Wahrheit, dass, während der Schwefel beim Oidium heilend wirkt und daher auch dann noch angewendet wird, wenn das Uebel schon um sich griff, die Besprengungen mit Kupfervitriol-Kalk-Brühe bei der Peronospora vorbeugend angewendet werden müssen und nach dem Auftreten der Krankheit nur noch von problematischer Wirksamkeit sind. Wir verblieben etwas länger bei dieser Frage, da wir ihr eine ausserordentliche Bedeutung beimessen, und eine erfolgreiche Lösung nur in der Errichtung der geplanten Versuchsstation sehen. Nur eine fachmännisch geleitete, mit den notwendigen Hilfsmitteln ausgestattete Station wird in der Lage sein, neben vielen anderen wichtigen Aufgaben, auch hierin den Kolonisten beratend zur Seite zu stehen. Ausblick in die neue Campagne. Diejenigen, denen die landwirtschaftlichen Bedingungen des Landes bekannt sind, wissen es, dass es absolut unmöglich ist, um diese Zeit (Mitte Dezember) etwas über den Ausfall der zukünftigen Ernte zu sagen. Wir können nur mitteilen, dass bis jetzt nur 2—3 kleine Regen in Judäa und im Küstenstrich gefallen sind, und dass in Galiläa, speziell in Unter-Galiläa noch kein Tropfen Regen fiel. Es ist zwar nicht normal, es wäre aber verfrüht, daraus zu schliessen, dass das kommende Jahr schlecht ausfallen wird. Wir gehen nunmehr zur Schilderung der gegenwärtigen Lage der einzelnen Kolonien über und zwar beginnen wir mit dem Süden. Kastinieh. Hier haben wir zunächst den Ankauf von 5000 Dunam Boden zu verzeichnen. Wir können nur mit Genugtuung über diese neue Erwerbung sprechen, speziell deshalb, weil wir vorläufig noch wenig Boden in der Gegend von Ghazze besitzen. Wir bedauern nur, dass man begonnen hat, den Boden zu teuer zu bezahlen. Im vorliegenden Fall wurden 35 Frcs. per Dunam bezahlt. Wir halten es aber für völlig verkehrt, dass man den neuerworbenen Boden unter die Kolonisten von Kastinieh verteilt hat. Wir müssen doch nun einmal die Wahrheit über Kastinieh sagen. Die Kolonisten sind in einer verzweifelt schlechten Lage, aber es ist ihre eigene Schuld. Wenn sie arm sind und auswandern, so kommt es davon, dass sie wenig und schlecht arbeiten. Ihre Arbeit ist minderwertiger als die der benachbarten Araber, was viel sagen will. Es ist durchaus unwahr, dass auch nur einer von