Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Jaffa. Handelsbericht für das Jahr 1902
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 53 (sequence 4)
- Language
- German
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— 53 — hervor — Deutsche und Franzosen —, während die Ausfuhr mehr dem eingeborenen Element überlassen ist. Unter den deutschen mit dem Handel in Verbindung stehenden Instituten nimmt die hiesige Filiale der deutschen Palästina-Bank einen hervorragenden Platz ein und zeigt nach den vorliegenden Berichten einen von Jahr zu Jahr fortschreitend erweiterten Geschäftskreis. Für das Jahr 1902 ist wieder eine Dividende von 5 pCt. zu erwarten, wofern nicht der Reservefonds erhöht werden sollte.*) Erfreulich ist der am 23. Juli 1902 erfolgte Kauf der Ländereien (8900 Dunam 818,8 Hektar) zu einer neuen deutschen Kolonie der Tempelgesellschaft östlich von dem deutschen Dorfe Sarona bei Jaffa, auf welchem sich eine rege Bautätigkeit entfaltet, so dass eine gedeihliche Entwicklung dieser auch vom Klima begünstigten neuesten und grössten deutschen Kolonie in Palästina gesichert ist. Auch diese Kolonie ist eine Acker- und Weinbaukolonie. Die Kosten des Ankaufs dieses von drei mohammedanischen Dorfgernarknngen abgeteilten Geländes beliefen sich auf 20 Franken für das Dunam abgeteiltes Land. Was die allgemeine Charakteristik des Platzes anlangt, so zählt Jaffa zu den gesünderen Handelsplätzen der Levante, insofern Konkurse selten sind und besonders das am Handel beteiligte mohammedanische Element seinen Verpflichtungen in der Regel gewissenhaft nachkommt. Ueber den Wert der Aus- und Einfuhr ein genaues Bild zu erhalten, ist bei dem Mangel genauer statistischer Nachrichten unmöglich. Daher können die in verschiedenen Berichten mit mehr oder weniger gutem Glauben gegebenen Zahlenzusammenstellungen keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit erheben. Was beispielsweise die vorliegenden Mitteilungen über den Wert der Ausfuhr von Jaffa im Jahre 1902 angeht, so schwanken die Angaben zwischen den Summen 4038864 Franken und 9350000 Franken. Nach den Ergebnissen des Handels der früheren Jahre lässt sich für Jaffa mit einiger Sicherheit der Grundsatz aufstellen, dass der Wert der Ausfuhr im Durchschnitt die Hälfte der Einfuhr erreicht. Trotz aller Unsicherheit der Einzelangaben lässt sich ferner behaupten, dass das verflossene Jahr gegenüber 1901 einen wenn auch geringen Ausfall an Aus- und Einfuhr aufweist, dessen Rückwirkung z. B. auf die Einnahmen der französischen Eisenbahn Jaffa—Jerusalem eine Mindereinnahme im Personen- und Frachtverkehr von in runder Summe 100000 Franken ergab. Der Rückgang war veranlasst einmal durch die für die Ausfuhr ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der eingeborenen Landbevölkerung sowie durch eine unter dem Durchschnitt bleibende Ernte und sodann durch das Auftreten der Cholera in Palästina im vergangenen Herbst. Die Eisenbahn ist in Betrieb genommen im September 1892. Das Material ist im wesentlichen aus Panama entnommen, 5 Lokomotiven älterer Bauart, 15 Personen-, 42 Güterwagen, 103 Angestellte (die Lokomotivführer teils Italiener, teils Franzosen); Betriebsstrecke 86,4 km. Der Tarifsatz für den Frachtverkehr ist ein sehr hoher bei Frachtstücken, deren Gewicht eine Beförderung mit Kamel nicht mehr zulässt, wo also ein Wettbewerb ausgeschlossen ist. Für weite Strecken wird ein Lastkamel in der Regel mit 6 Zentnern beladen, auf beiden Seiten gleichmässig zu je 150 kg. *) Die Anglo-Palestine-Company begann ihre Tätigkeit im Juni 1903. D. Red.