Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Die nichtjüdische Kolonisation Palästinas
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 44 (sequence 6)
- Language
- German
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— 44 — in Spanien, die Vandalen in Nordafrika sind geschichtliche Beispiele hierfür. Es ist kein Geheimnis, dass die jungen deutschen Kolonisten Palästinas zum weit überwiegenden Teile sich bei der ärztlichen Prüfung für den deutschen Militärdienst als untauglich erweisen. Das Klima hat also schon in ein bis zwei Generationen dieses an sich so kräftige Völkchen zu degenerieren begonnen. Ob Inzucht hierbei auch schon im Spiele ist, wage ich nicht zu behaupten und glaube es auch nicht, wohl dagegen werden Fieberplasmodien und die hohe Sommertemperatur dabei eine Rolle spielen. Wie dem auch sei, die Tatsache steht fest, dass der südliche Orient ebensowenig wie Nordafrika und Italien ein passendes Kolonisationsfeld für Deutsche germanischer Rasse darstellt. Die Templerkolonien sind ein interessantes und für die Kultur im Orient wichtiges Experiment, das aber jedenfalls nicht zu einer grossen Ausdehnung ermutigt. Für die Deutschen ist nun einmal die kühlere gemässigte Zone das richtige Kolonisationsgebiet, einerlei, ob es Nordamerika incl. Kanada, Südchile, Südaustralien und Neuseeland, oder Russland und Sibirien heisst; auch in wärmeren Gegenden vermag sich deutsches Volkstum zu erhalten, indem es besondere Entwickelungsrichtungen einschlägt, wie z. B. in Südafrika, Queensland und vor allem Südbrasilien, aber doch nur dann, wenn die Konkurrenz gering ist, oder hervorragend günstige Momente vorhanden sind. Wo beides nicht der Fall ist, wie im Mittelmeergebiet, da hat deutsche Kolonisation keinerlei Aussicht, eine grosse Bedeutung zu erlangen.*) Trotzdem möchten wir in Palästina die Templerkolonien nicht missen. Sie bilden ein natürliches Verbindungsglied des Orients mit dem Occident, und zwar speziell mit dem christlichen Occident, besonders mit dem kulturkräftigen Deutschland. Wenn auch in dem späteren wirtschaftlich erstarkten Orient ein grosser Teil des vermittelnden Verkehrs nach dem Occident hin den Juden naturgemäss zufallen wild, so wird es doch jederzeit Spezialgebiete des Handels geben, welche die Templer besser zu beackern imstande sein werden, sei es infolge besserer Eignung und Anlagen derselben, sei es aus Gründen der Geistes- und *) Wir sprechen hier natürlich von unvermischten Siedelungen. Dass bei starker Vermischung mit den Eingeborenen sich eine dauernd widerstandsfähige und konkurrenzkräftige Mischbevölkerung entwickeln Hesse, ist nicht ausgeschlossen, aber die Templer haben selbst, ihrer Ethik entgegen dem Rasseninstinkte folgend, die eheliche Verbindung mit Araberinnen für nicht zulässig erklärt.