Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Die nichtjüdische Kolonisation Palästinas
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 — ca. 900 ha gross und dürfte sich zu einer fürs erste fast rein landwirtschaftlichen Siedelung entwickeln. Alle Kolonien zusammen verfügen also über 1500 ha Ackerland, 231 ha "Weinberge, 33 ha Orangen und Oliven. Das lebende Inventar besteht aus 180 Pferden, 9 Maultieren, 70 Eseln, 494 Stück Hornvieh und 257 Schweinen, dazu noch Ziegen, Hühner und ca. 200 Bienenvölker.*) Ein grosser Teil der Pferde und Esel gehört der städtischen Bevölkerung oder wird doch des LohnfuhrWerks wegen gehalten. Wie man sieht, ist die landwirtschaftliche Bedeutung der Templerkolonisation keine sehr grosse; am meisten leisten sie noch im Weinbau, indem sie über 4000 Hektoliter Wein produzieren, den sie auch schlankweg und zu guten Preisen exportieren,— erzielt doch in Stuttgart der Templerwein 75—150 M. pro Hektoliter, also einen mindestens doppelt so hohen Preis, als derjenige, zu dem die wohl etwas besseren palästinischen Weine der Rothschildschen Kellereien in Hamburg momentan noch verkauft werden. Da das eigene Gewächs der Templergemeinde der Nachfrage nicht genügt, kaufen die Weinhändler von Sarona und Haifa auch noch grössere Quantitäten Wein von jüdischen Kolonisten, bezahlen ihnen etwas bessere Preise, als letztere in den Rothschildschen Kellereien erzielen, und erzielen trotzdem noch einen bedeutenden Profit. In Sarona sind drei Weinhandlung.en mit eigenen Keltereien, Kellereien, Brennereien undKüfereien, sowie eine Schaumwein- und Likörfabrik, in der Kolonie von Jerusalem leben 2 Weinhändler und 1 Weinbergbesitzer, in Haifa sind mehrere der Weinbergbesitzer und Kaufleute gleichzeitig Weinhändler. Ein weiterer wichtiger Erwerbszweig der deutschen Kolonie ist das Lohnfuhrwerk. Viele der Fremden, die Nazareth und Tiberias besuchen, fahren mit den Wagen der deutschen Kolonisten von Haifa dorthin, ebenso liegt der Wagenverkehr Haifa— Jaffa zum Teil in ihren Händen. Sarona versorgt Jaffa z. T. mit Milch und frischen Gemüsen. Haifa besitzt zwei Seifenfabriken, eine Bierbrauerei und eine Dampfmühle, Jerusalem eine Bierbrauerei, eine Zementwarenfabrik und eine Dampfmühle, eine andere findet sich in Sarona; dass es den Kolonien nicht an *) Die obigen Angaben über den Viehstand der Kolonien beziehen sich auf das Jahr 1899 und schliessen denjenigen der neuesten Kolonie Wilhelma nicht mit ein.