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Altneuland · 1904-02-01 · Heft 2 (Februar 1904) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 2 (Februar 1904)
Article
Harmonische und disharmonische Genossenschaften
Date
1904-02-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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— 36 — billig zu kaufen, des Käufers Streben dahin, den Gegenwert möglichst teuer zu verkaufen. Hier besteht also ein, ökonomischer Gegensatz, der aus dem gleichen psychologischen Motiv entsteht Es gibt aber zwei von mir entdeckte, bisher verborgen gebliebene, ausserordentlich wichtige psychologische Unterschiede zwischen dem Käufer un,d dem Verkäufer der freien Verkehrswirtschaft. Der erste dieser Unterschiede ist der folgende: Des Käufers Interesse ist mit dem Preise einer sehr grossen Anzahl von Warenarten verknüpft, die er zur Befriedigung seiner verschiedenen Bedürfnisse eintauschen muss. Des Verkäufers Interesse ist mit dem Preise nur einer einzigen Warenart verknüpft, derjenigen, welche er herstellt, um sie gegen die Befriedigungsmittel seiner Bedürfnisse zu vertauschen. Weil des Verkäufers Interesse mit sehr vielen verschiedenen Waren verknüpft ist, ist es mit dem Preise der einzelnen Ware nur sehr lose verknüpft. Ja, brauchte der Käufer gleiche Wertmengen von allen Warenarten, so würde ihm der Preis der einzelnen Ware sehr gleichgültig sein; denn ein Steigen des Preises der einen Ware, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt, kann nur möglich sein, weil in einer anderen Ware das Angebot überwiegt, also der Preis sinkt. — Da, aber der einzelne Käufer (Konsument) nicht von allen Warenarten und nicht gleiche Wertmengen braucht, so kann ihn ein starkes Sinken der Preise für seine hauptsächlichen Befriedigungsmittel in ein,en höheren Komfort, das Steigen derselben in einen niedrigeren Komfort versetzen. Sinkt der Preis für unentbehrliche Befriedigungsmittel, so wird er sekundäre Bedürfnisse befriedigen, steigt der Preis, so wird er sekundäre unbefriedigt lassen. Steigt Wolle im Preise, so wird er sich in Leinwand oder Baumwolle kleiden, steigt Korn im Preise, so wird er sich, mit Kartoffeln sättigen. So kann er entbehren, vielleicht hart entbehren, wenn er gewohnte Bedürfnisse gar nicht oder nur mit ungewohnten Mitteln befriedigen kann; aber er beherrscht, so weit seine Kaufkraft reicht, den ganzen Warenmarkt, und seine Existenz ist unter gewöhnlichen Umständen nicht bedroht, solange noch ein Ersatzmittel für die ihm durch die Preissteigerung unzugänglich gewordenen Befriedigungsmittel gibt. Des Verkäufers Interesse ist ein ganz verschiedenes. Es ist mit dem Preise einer einzigen Ware und darum unlösbar

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