Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Harmonische und disharmonische Genossenschaften
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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— 35 - eine aridere Beziehung existiert nicht. Ob sie Waren abzugeben oder zu erhalten wünschen, ob sie Arbeitsgelegenheit oder Arbeitskraft zu kaufen oder zu verkaufen beabsichtigen: es sind immer Käufer und Verkäufer. Käufer und Verkäufer derselben Ware stehen in einem wirtschaftlichen Gegensatz: der erste will möglichst billig kaufen, der andere möglichst teuer verkaufen. Dieser Gegensatz ist der Ausgangspunkt der beiden wichtigsten Betrachtungen der theoretischen Volkswirtschaft überhaupt. Man hat erstens erkannt, dass der Kampf der Käufer und Verkäufer um den Preis der Ware das Schwungrad ist, das die gesamte Produktion und Distribution in Bewegung hält. Denn steigender Preis einer Ware zieht Arbeitskräfte und Kapitalien in den betreffenden Produktionszweig hinein, fallender Preis einer Ware stösst Arbeitskräfte un,d Kapital aus dem betreffenden Produktionszweige aus; infolgedessen sinkt dort und steigt hier der Preis, so dass auf die Dauer und im Durchschnitt gleiche Arbeit und gleicher Kapitalaufwand in einem gegebenen Volkswirtsschaftskreise gleichen Marktpreis bedingen, oder mit anderen Worten: dass Waren und Dienste immer danach tendieren, ihren „natürlichen Preis" zu erreichen. Die zweite theoretische Errungenschaft, die von dem bezeichneten Gegensatz zwischen Käufern und Verkäufern ihren Ausgangspunkt nahm, ist die Theorie des Grenznutzens, die zum ersten Male die von den Klassikern als einfache Tatsache hingenommen^ Erscheinung des Tausches nach dem Gesetz der Strömung zu erklären vermochte. Weil die Wareneinheit für den Verkäufer, der mehrere davon besitzt, einen geringeren „Grenznutzen"' hat als für den Käufer, der sie nicht besitzt, kommt der Tausch zustande, an dem beide gewinnen: denn jeder erhält einen bedeutend höheren Gebrauchswert, als er hingibt, wenngleich auf einem genügend ausgebildeten und durchschittlich versorgten Markte beide ganz den gleichen Tauschwert einander in die Hand geben. Hier handelt es sich, wie oben betont, um einen wirts chaftlichen Gegens atz, aber nicht um einen psychologischen Unterschied zwischen Käufer und Verkäufer. Denn jeder Käufer ist gleichzeitig Verkäufer der Gegenwerte und vice versa: und von diesem Standpunkt aus erkennt man, dass des Verkäufers Streben dahin geht, den Gegenwert möglichst