Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1904)
- Article
- Harmonische und disharmonische Genossenschaften
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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— 34 — dienten Adolf Wagn.e r, als Grundlage der Theorie aufgestellt wird, führt ausser dem ökonomischen Bedürfnisse das religiöse, das geschlechtliche, das Karitative Bedürfnis usw. an. Diese Motive bedürfen in einer allgemeinen Soziologie auch sämtlich einer völlig gleichmässigen Behandlung; in nationalökonomischen Untersuchungen dagegen darf man sich, muss man sich sogar auf die Untersuchung des ökonomischen Bedürfnisses beschränken; denn die nationalökonomische Wissenschaft kann nicht anders definiert werden, denn als die Lehre von den durch die ökonomischen Bedürfnisse bedingten Handlungen. Erst wenn die auf diese Weise gewonnene Analyse Abweichungen von der empirischen Wirklichkeit zeigt, ist man verpflichtet, die Einflüsse der übrigen Motive in Rechnung zu stellen, gerade so wie der praktische Ballistiker die Einflüsse des Luftwiderstandes un,d des Windes in Rechnung setzt, um die Abweichungen der Flugbahn von der mathematischen Parabel zu erklären. Das wirtschaftliche Mot,iv besteht nun darin, mit dem kleinsten Aufwand von Sachgütern und Arbeit das grösste Mass von Bedürfnisbefriedigungsmitteln zu erlangen. Ich habe diesen aller Nationalökonomie seit ihren Anfängen zugrunde liegenden Hauptsatz als „Gesetz der Strömung" in einer neuen Form ausgedrückt : „Die Menschen strömen vom Orte höheren wirtschaftlichen Druckes auf der Linie des geringsten Widerstandes." Betrachten wir jetzt, wie sich unter der Wirkung dieses Motives die Beziehungen zwischen wirtschaftenden Menschen in einer Gesellschaft verhalten werden, aus der wir uns sämtliche nichtwirtschaftlichen sozialen Beziehungen ausgeschaltet vorstellen. Von den historischen Gesellschaftsformen, die wir kennen, wählen wir für unsere Betrachtung die uns hier, wo wir zu praktischen Gesichtspunkten kommen wollen, einzig interessierende, d. h. die uns umgebende freie Verkehrswirtschaft, in der die Beziehungen der einzelnen wirtschaftenden Subjekte untereinander ausschliesslich auf Leistung und Gegenleistung basiert sind,, schliessen also alle Herrschaftsbeziehungen zwischen dem Herrn und seinen Sklaven, zwischen dem Grundherrn und seinen Hörigen, zwischen dem Patriarchen und seinen Clangenossen aus der Betrachtung völlig aus. * * * In einer solchen freien Verkehrswirtschaft stehen die Menschen einander lediglich gegenüber als Käufer und Verkäufer: