Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Rosinenstadt Es-Salt
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
— 21 — gleichsam den Horizont verstellend, die imposante Masse des. Hermon mit seiner schneeweissen Krone. Näher zu uns und etwas östlich das Gebirge von Adschlün. Im Süden als Fortsetzung der Gebirgsmassen, die von hier aus nach der Moabebene sich hinziehen, sieht man den Neboberg, während im Osten das Gebirge von Gilead sich noch weiter aulrollt. Im Westen des Jordans gewahrt man sehr deutlich den Dschermak bei Safed, weniger gut die Kuppel des Tabor, der Nebel verhüllt uns den Karmel, nur mit Schwierigkeiten erraten wir den Grizim und den Ebal bei Nabulus, während wir vom letzteren aus den Dschebel 'Oscha gut unterschieden haben. Im Süden erblicken wir weiter die ganze judäische Kette mit Karn Sartabe uns ziemlich gegenüber; die Berge von Hebron und der Oelberg sind leicht erkenntlich. Nicht weit von uns ein weisses Gebäude, welches das Denkmal des Propheten Hosea enthalten soll. Danach haben auch die Araber den Berg Dschebel 'Oscha genannt. Im Innern des Gebäudes, wohin man uns erst dann den Eintritt gewährte, als wir unsere Schuhe auszogen, befindet sich ein grosses Denkmal, welches nach Oliphant 46 Fuss lang, 3 Fuss breit und 3y2 Fuss hoch sein soll. Wir stiegen den Dschebel 'Oscha quer durch die auf Terrassen angelegten Weinberge herunter und kehrten nach Es-Salt zu unserem Gastgeber zurück. Der letztere ist einer der vornehmsten Leute, die wir unter der einheimischen Bevölkerung kennen gelernt haben. Ohne dass er seine Geburtsstadt Es-Salt weiter als bis nach Jerusalem verlassen hatte, erwarb er sich ausschliesslich durch arabische Lektüre einen sehr entwickelten Geist und den Geschmack am europäischen Leben. An seiner Tafel wurden wir vollständig „ä la franca" bewirtet, jeder hatte sein Couvert,. man bediente sich beim Essen des Löffels und der Gabel. Als wir am nächsten Morgen im Begriff waren, Es-Salt zu verlassen, bemerkten wir auf dem Markte und am Serail grössere Gruppen von Tscherkessen. Es waren neu angekommene Emigranten, Mohadschirs aus dem Kaukasus, die vom Mutessarril von Kerak zur Besiedelung von Belkä verlangt wurden. Die Neuankömmlinge aber, die nur das beste Terrain beanspruchten (woran es ja in Belkä nicht mangelt), wollten nur dann das neue Gebiet beziehen, wenn man gewisse, von ihnen gestellte Bedingungen erfüllen werde. Vorläufig hielten sie sich mit ihren Familien in Es-Salt auf. Welcher Art die von den Tscherkessen gestellten Forderungen waren, konnten wir leider nicht in. Er-