Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Rosinenstadt Es-Salt
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 18 — Der Gemüsebau wird hier ebenfalls besser gepflegt als in Nabulus. Alle Pflanzen haben hier eine grossartige Entfaltung. So sahen wir Kürbispflanzen, deren Blattstiele mehr als 1 m lang waren und deren Blätter einen Durchmesser von über 0,75 m besassen. Die Obstgärten ziehen sich das ganze Ain-Dschaddurtal entlang. Mehrere Wassermühlen werden durch verschiedene Wasserfälle des Dschaddur betrieben. Vom Bergabhange ist die Aussicht reizend: hier die Stadt, das intensive Grün der Gärten, dort weit am Horizont das Tote Meer im Süden, vom Nebel umwoben. Die aller wichtigste Kultur ist hier aber die Rebkultur zur Erzeugung von Rosinen. In einem früheren Artikel*) haben wir schon mehreres über die Rebkultur dieser Gegend, über ihre Ausdehnung und Bedeutung mitgeteilt. Hier ebenso, wie überall dort, wo die Araber Weinberge anlegen, so im Dschebel Halil (Hebron) und El-Kuds (Jerusalem), im Libanon oder in der Umgebung von Hasbeya im Norden Palästinas, wird die Rebe auf Terrassen gebaut. Die Reihenabstände sind von 6—8 m und die Entfernung in der Reihe ist nur von 1—1,30 m. Der ausgeübte Rebschnitt erinnert an den Schnitt ,,en cheintre", wie er in gewissen Gegenden Frankreichs ausgeübt wird. Ausser dem Winter schnitte, dem zweimaligen Ackern und manchmal einer Spatenbearbeitung oder einfach einer Haue wird den Weinbergen keine weitere Pflege zuteil. Weder ein Ausbrechen von Geizen, noch eine Bekämpfung von kryptogamischen oder anderen Krankheiten findet statt. Die letzteren fehlen hier aber durchaus nicht. So sagte man uns in Es-Salt, dass in gewissen Jahren die Ernten bedeutend geringer ausfallen infolge einer Beerenfäulnis, vermutlich von Peronospora verursacht. Jeder einzelne will es aber bemerkt haben, dass der Weinberg seines Nachbarn von der Krankheit befallen wurde, nicht aber der seinige. Zwischen den Rebstockreihen sieht man hier nicht selten Oliven- und Feigenbäume. Die letzteren sind hier häufig, ihre Früchte werden im getrockneten Zustande an Ort und Stelle und in Belkä abgesetzt. Die Beduinen sind grosse Liebhaber von trockenen Feigen, und in ihren Märchen wird das Wort „Kutein" (trockene Feige) ähnlich dem hebräischen „Linsengericht" des *) No. 32 u. 33 der „Welt" 1901.