Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Rosinenstadt Es-Salt
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 - Der Kataster ist erst im Entstehen begriffen. Im allgemeinen sucht man noch den Fellahen, der noch ein grosses btück Beduine geblieben ist, nicht sonderlich zu pressen. So ist der Tabakbau, welcher das Monopol der „Regie co-interessee des Tabacs de TEmpire Ottoman" ausmacht und nur nach gewissen, ziemlich lästigen Formalitäten im ganzen Osmanischen Reich ausgeübt werden darf, hier noch frei. Allerdings hat hier der Tabakbau gar keine Ausdehnung, der erhaltene Tabak ist von schlechter Qualität, man wendet ihm wenig Aufmerksamkeit zu, jeder Bauer zieht ihn nur in einer für seinen eigenen Gebrauch angemessenen Menge. Diese kleine Menge würde aber ausreichen, um einen Fellahen im Westen vollständig zu ruinieren, die Regie würde ihm seine Ernten konfiszieren, ihn hohe Strafen zahlen lassen, geschweige der schlechten Behandlung, die ihm zuteil würde für die zehn Tabakstengel, welche er als Kontrebände gepflanzt hat. Unter den 8000 Einwohnern, die die Bevölkerung von Es-Salt bilden, ist die grössere Hälfte mohammedanisch, die übrigen sind griechisch-katholisch, mit Ausnahme von einigen wenigen römischen Katholiken und Protestanten. Was hier am merkwürdigsten ist, das ist die Eintracht, die zwischen den Moslimen und Christen herrscht. Nirgends haben wir Angehörige von zwei verschiedenen Konfessionen in einer derartig vollkommenen Harmonie zusammenleben gesehen. Weder Haltung und Kleidung noch Dialekt lassen einen Christen von einem Mohammedaner unterscheiden. Sie verbrüdern sich aufs intimste, wohnen in demselben Hofe, sie reisen zusammen und machen miteinander Geschäfte. Sie geben das Beispiel einer seltenen religiösen Toleranz. Es ist nur zu befürchten, dass diese Toleranz, diese innige Freundschaft bald ein Ende nehmen werden, und zwar dank der Propaganda und dem Proselyteneifer der verschiedenen christlichen Missionen, welche in der Gegend unaufhörlich Anhänger werben. Unter den Bauern von Es-Salt, die vorwiegend Beduinen- Typus haben, begegnet man häufig rothaarigen Leuten, und wir hatten die Gelegenheit, schöne rothaarige, auch hellbraune Frauen mit blauen Augen zu bewundern. Nebenbei sei bemerkt, dass man längere Zeit die Annahme aufrecht erhielt, dass die Leute von Es-Salt Abkömmlinge der Edomiter wären. Sie würden also das rote Haar von unserem Onkel Esau behalten haben. Im allgemeinen bemerkt man noch jetzt eine grosse Reinheit und Einheitlichkeit des Typus bei den Einwohnern von Es-