Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Rosinenstadt Es-Salt
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 15 — sich dasalte Schloss, weiches, anscheinend nach dem Modell von Kala'at-el-Rubad, vom Sultan Beibars aufgeführt wurde. Ibrahim- Pascha von Aegypten, an den man sich im Lande noch recht lebhaft erinnert, und dessen Name mit einem tiefen, bewunderungsvollen Respekt ausgesprochen wird, bemächtigte sich des Distriktes von Es-Salt, der bis dahin unabhängig war. Er setzte einen arabischen Scheich als Gouverneur ein und verliess die Gegend. Die Einwohner von Es-Salt, die gar wenig geneigt schienen, sich befehligen zu lassen, versäumten nicht, dem Gouverneur den Kopf abzuschneiden und denselben Ibrahim-Pascha einzusenden. Seither haben sich die Zeiten stark verändert. Jetzt ist Es-Salt Sitz eines Kaimmakams, die türkische Autorität ist jetzt gut befestigt. Wenn auch noch jetzt das Temperament der Bevölkerung gewisse Rücksichten verlangt, so wird es nicht mehr lange dauern, vielleicht nur 20 Jahre, dass sie ebenso unbedingt steuerbar und frohnpflichtig wird, wie etwa die Einwohner von einem ganz gewöhnlichen Kaimmakamlik so und so im Westen des Jordans, sagen wir etwa wie die Leute von Tull Karm zum Beispiel. Dank seiner Lage am Eingange in die reiche Ebene von Belkä gewann Es-Salt sehr viel von der Herstellung der Ruhe im Lande. Die Kräftigung der Regierungsm acht trug viel zu seiner Entwickelung bei. So besitzt Es-Salt, welches zur Zeit Burckhardts (etwa 1800) nur ca. 3000 Einwohner zählte und zur Zeit Oliphants (1880) schon 6000 Seelen hatte, jetzt annähernd 8000 Einwohner. Die Abgaben dieses Distriktes haben sich in einer ungeahnten Weise vergrössert. In seinem „The Land of Gilead" gibt Sir Laurence Oliphant 1000 Ltq. als jährliche Leistung des Distriktes an. Jetzt aber (wir haben die Ziffer von unserem Gastgeber, dem Präsidenten des Stadtrates) erhebt sich die Ziffer der Abgabe bis auf 17000 Ltq. jährlich. Man muss dabei noch bemerken, dass die Bauern noch nicht den Zehnten m der Weise zahlen, wie es für das Westjordanland allgemein üblich ist. Jedes Produktionszentrum hat eine gewisse feststehende Taxe zu leisten, welche durch die Notablen der Gegend auf jeden einzelnen nach Ausmass der bebauten Eläche verteilt wird, während im Westjordanland 123/4 % vom Bruttoertrage der Felder zu zahlen sind. Um übrigens die Regierung nicht viel davon wissen zu lassen, was auf seinen Feldern vorgeht, reklamiert der Einwohner von Es-Salt die Besitztitel des Grundstückes nicht, welches er in Kultur nimmt, oder welches er sogar schon vom Vater geerbt hat.