Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Die Rosinenstadt Es-Salt
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14 — Auf diesen Territorien sind die Beduinenzelte in ständiger Bewegung, nur ist die Bewegung von geringer Ausdehnung. Die benachbarten Stämme sind in fast ständiger Fehde und wagen o o sich daher nicht häufig in das Territorium des feindlichen Stammes hinein. Nur selten begibt sich ein Reiter in eine Entfernung von 2—3 Tagereisen, um Abenteuer zu suchen. So findet man auch selten unter den Arabern Leute, die eine von ihrem Aufenthaltsorte etwa über 50 Kilometer entfernte Gegend gut kennen. Dessenungeachtet erzählt der Araber gern Details über eine Gegend, die er nicht kennt, und sollten ihm die Kenntnisse geographischer und geschichtlicher Einzelheiten abgehen, so macht er sich keine Gewissensbisse, dieselben aus seinem reichen Phantasieschatze zu schöpfen. Wie unbedeutend aber die Ortsveränderungen der Araber auch sein mögen, so reichen sie doch aus, um neues in mehr oder weniger übertriebener und entstellter Form auch nach den entlegensten Krähwinkeln dringen zu lassen. Die „Hakauatin", Erzähler, besorgen den Nachrichtendienst. Sie erzählen und besingen die Kriegstaten entfernter Stämme, sowie die Heldentaten einzelner Personen. Diese Märchen und Lieder verwandeln sich allmählich in Legenden, die traditionell von Generation zu Generation überliefert werden. Sie werden stets mit der gleichen Frische erzählt und mit dem gleichen Interesse, wenn auch schon zum so und so vielten Male angehört. Man muss sich also dies alles ins Gedächtnis zurückrufen, um sich nur eine schwache Idee davon zu machen, in welchem respektvollen Ton der Araber den Namen des entferntesten, ihm folglich am wenigsten bekannten Handelszentrums im Osten des Jordans ausspricht, wenn er von Es-Salt erzählt, einer kleinen Stadt, die ihre Geschichte, ja sogar eine recht gewaltige Geschichte besitzt. Die ganze Gegend von Gilead und namentlich die Umgebung von Es-Salt ist so schön, abwechslungsreich und malerisch, dass man sich gewissermassen in seinen Erwartungen getäuscht sieht, als man von oben, vom Berge herab das kleine Städtchen erblickt, welches dem Abhänge des Berges gleichsam angehängt ist und sich in einer von zwei Bergen gebildeten Schlucht wie eingeklemmt hinzieht. Man möchte nach der langen, ziemlich schweren Reise beinahe ausrufen: „Und das ist Es-Salt! Nicht mehr wie dies!" Hoch über der Stadt, sie gleichsam beherrschend, erhebt