Mannheim
Compact Memory

Altneuland · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Palästina als Kolonisationsgebiet
Date
1904-01-01
Page
Seite 9 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2266000-2266001-2266003-2266084--0026-2266157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 9 — P/o Millionen Einwohner fassen können. Rechnen wir, dass das übrige Land nur ein Drittel der Aufnahmefähigkeit besitzt, d. h. dass jeder Bauer dort 15 lia benötigt, teils als Ackerland für Grosskultur, teils als Land für Oliven, Johannisbrot etc., so würden diese 8/4 des Landes gleichfalls ca. llj2 Millionen Seelen aufnehmen können. Man sieht also klar, dass die Bevölkerungsmasse, welche Palästina schon jetzt aufnehmen könnte, falls nur die nötigen Bewässerungskanäle und Terrassierungen gemacht werden, selbst wenn sich keinerlei grössere Industrien entwickeln, eine vielfach grössere ist, als die günstigstenfalls im Lande selbst für die Kolonisation zur Verfügung stehende Zahl in den Städten Palästinas ansässiger Juden. Dass infolge von Industrien ganz andere Bevölkerungsmassen unterzubringen sein werden, ist selbstverständlich. Ernährt doch Belgien, ein Land von 29 457 qkm, also ungefähr so gross wie Palästina, ohne Schwierigkeit eine Bevölkerung von fast 7 Millionen Seelen. Ob Palästina je eine derartige industrielle Blüte wird erreichen können, ist schwer vorauszusehen, es sei aber darauf hingewiesen, welche ungehobenen Schätze es nach neueren und neuesten Forschungen an Phosphaten, Asphalt, Schwefel, Salz und wahrscheinlich auch an Petroleum besitzt, welche enormen Reichtümer an Kali und Brom in dem Wasser des Toten Meeres stecken, und welche gewaltigen, bisher im Detail noch gar nicht einmal berechneten Wasserkräfte für alle Arten von Industrien im Jordan allein zur Verfügung stehen, der, am Hermon bei 370 m Höhe entspringend, sich bei 394 m unter Meereshöhe in das Tote Meer ergiesst, was also einen Fall von 764 m repräsentiert, während die östlichen Zuflüsse des Toten Meeres, die ihm zusammen ebensoviel Wasser zuführen wie der Jordan, bei kurzem Laufe gleichfalls ein Gefälle von vielen Hundert Metern haben. Auch die von den westjordanischen Bergen nach dem Meere zu laufenden Flüsse*) sind *) Ein passendes Vergleichsobjekt ist das in bezug auf Klima, Bodenbeschaffenheit und geographische Exposition — entwaldetes Gebirgsland mit vorgelagerten Ebenen längs der Küste — analoge Mittelitalien, über dessen Wasserkräfte das italienische Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel vor kurzem eine interessante Studie herausgegeben hat, die zeigt, dass Italien durch Elektrisierung seiner Bahnen den grössten Teil des jetzt so bedeutenden Kohlenirnportes in der Zukunft wird entbehren können. Die Flüsse Mittelitaliens verfügen über nicht weniger als 767000 ausnutzbare Pferdekräfte, von denen 592000 noch frei verfügbar sind; allein die lebendige Kraft des Tiber wird auf 300000 Pferdekräfte berechnet, von denen erst 100000 benutzt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.