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Altneuland · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 8

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Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Palästina als Kolonisationsgebiet
Date
1904-01-01
Page
Seite 8 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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- 8 — fruchtbaren Gegenden die Familien (also 5 Seelen) vielfach von 1 Morgen (= 1j± ha) oder weniger leben, so dass also 20 Seelen auf den Hektar und 2000 auf den Quadratkilometer kämen. Natürlich kann auch besten Falles — übrigens ebenso in Ostasien — nur ein mehr oder minder grosser Teil des Landes für eine derart intensive Gartenkultur in Frage kommen, jedoch kann man bei dem Klima Palästinas hierzu zweifellos alle künstlich bewässerbaren ebenen Gebiete des Landes rechnen.*) Ferner zeigt das Beispiel des Libanon aul das deutlichste, dass man auch sehr steile Hänge in diesem Klima zu terrassieren und unter Gartenkultur zu nehmen imstande ist; trotz der äusserst gebirgigen und auch sonst verhältnismässig ungünstigen Bodenbeschaffenheit besitzt diese autonome und daher besser verwaltete, aber doch rast industrielose Provinz schon jetzt eine Einwohnerschaft von 327000 Seelen auf 5700 qkm, d. h. 57 Seelen per Quadratkilometer. Es kann einem Zweifel nicht unterliegen, dass diese Zahl in dem gesamten Gebirgslande Syriens und Palästinas, mit Ausnahme des all ersüdlichsten Teiles sowie der steileren Abhänge nach dem Ghor zu, schon bei geringer Verbesserung der allgemeinen Administrations-, Rechts- und Verkehrsverhältnisse erreichbar sein würde. Nehmen wir nun an, dass der vierte Teil des Landes, also ca. 7500 qkm, für Gartenkultur in Betracht kommt, d. h. alle Ebenen sowie viele der leicht zu terrassierenden Hänge, und rechnen wir, nach dem Muster der Weinbauern der jüdischen Kolonien, dass eine Familie 5 ha Land braucht, so würde das Gartenland allein 150000 Bauernfamilien fassen, entsprechend 750000 Seelen. Dazu würde dann für das Gebiet bei Ausschluss grösserer Industrie noch die gleiche Zahl Knechte, Mägde, Handwerker, Beamte und Lehrer, Arbeiter, Kaufleute etc. in den Dörfern und Landstädten hinzukommen. Es würde also das für den Gartenbau passende Viertel des Landes schon etwa *) Zu welchen Zahlen wir gelangen, wenn wir auch die Nachbargebiete hinzurechnen, wird uns klar, wenn wir bedenken, dass ein grosser Teil Mesopotamiens (nach Rohrbach 40 000 qkm, nach Prof. H. Wagner 15—20000 qkm) nach Herstellung der nötigen Kanalisation ohne weiteres für die intensivste Gartenkultur geeignet ist, ebenso viele Gebiete Nordsyriens, des Irak, Kleinasiens, Cjrperns etc. Die auf diese Weise allein in jenen bewässerbaren Gegenden erreichbare Einwohnerschaft würde mit 100 Millionen sicher nicht zu hoch geschätzt sein, auch wenn — was ja völlig ausgeschlossen ist — keinerlei spezielle Industrien daselbst zur Entwickelung gelangen würden. Was bedeuten gegenüber dieser Kolonisationsmöglichkeit die bestenfalls überhaupt für Kolonisation im Orient verfügbaren 5 Millionen Juden Osteuropas!

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