Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1904)
- Article
- Palästina als Kolonisationsgebiet
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2266000-2266001-2266003-2266084--0024-2266155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 7 — länp-s der Küste mit so bedeutenden Plätzen wie Port Said und O Beirut Hesse sich eine ganz andere Zugänglichkeit erzielen als momentan existiert. Die Grösse Palästinas wird auf ca. 29 000 qkm berechnet, d. h. das Land ist etwa so gross wie die Provinz Posen. Während letztere Provinz aber fast 2 Millionen Einwohner zählt, wird die Bevölkerung Palästinas auf nur 600 000 Einwohner geschätzt, so dass etwa 21 Einwohner auf den Quadratkilometer kommen; es könnte also noch l1/2 Millionen Menschen mehr fassen, um die relative Bevölkerung der Provinz Posen zu erhalten, und 21j2 Millionen mehr, um dem Durchschnitt Deutschlands gleichzukommen, welches jetzt über 105 Einwohner auf den Quadratkilometer besitzt.*) Betrachtet man dagegen die Nebenländer Palästinas, so erhält man ganz andere Zahlen: Syrien**) hat bei 282 000 qkm 3,2 Mill. Einwohner, d. h. 11,4 Einw. pro qkm Mesopotamien „ „ 340 000 „ 1,65 „ „ „ 5 Kleinasien „ „ 515 000 „ 8,4 „ „ „ 16 Cypern „ „ 9 300 „ 0,23 „ „ „ 24,7 „ bei einer Bevölkerung wie Deutschland fänden also ausser den jetzigen Einwohnern Platz in Syrien noch..... 18 200 000 Seelen Mesopotamien „..... 34 700 000 Kleinasien „..... 45 600 000 Cypern „ , . . . . 700 000 Zusammen also ca. 100 000 000 Seelen Selbstverständlich würde eine Zahl von 105 Einwohnern per Quadratkilometer (der Durchschnitt von Deutschland) entweder eine ziemlich starke Industrie oder eine sehr intensive Landwirtschaft zur Voraussetzung haben. Gartenkultur hingegen vermag noch, weit mehr als 105 Seelen p. qkm (also ca. 1 Seele per Hektar) zu ernähren, wie Japan und China beweisen, wo in *) Socin meint (Art. Pal. in Enc. Bibl. § 21) dass Palästina ehemals etwa viermal so stark bevölkert gewesen sei als jetzt, es seien 96—115 Einwohner auf den Quadratkilometer gekommen; Schwöbel (ZDPV. 1904, S. 47) nimmt 120 Einwohner pro Quadratkilometer zur Blütezeit Galiläas an. Nach Josephus habe Galiläa zur Zeit Christi sich aus der Vogelschau fast wie ein grosses Häusermeer ausgenommen, indem die Hunderte von grossen und kleinen Siedlungen fast bis zur Verschmelzung ineinander übergingen. Hingegen sei es gewiss eine seiner vielen Uebertreibungen, wenn er von 204 Städten in Galiläa rede, von denen die kleinste über 15 000 Einwohner gezählt habe (ibid. S. 37). **) d. h. die Wilajets Haleb (Aleppo), Beirut, Surja (Syrien) sowie die Mutessarifliks Libanon und el Kuds (Jerusalem), also inklusive Palästina.