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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 3 · p. Seite 398

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 3
Article
Über Moses Mendelssohn
Date
1892-01-01
Page
Seite 398 (sequence 4)
Language
German
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398 Miseellen. — Mit einem mitleidigen Lächeln ging der Offizier, dem diese Sprache vielleicht ein bischen zu rund war, seiner Wege. Einige Schritte weiter traf er einen andern Offizier an; was hast Du mit Moses Mendelssohn gehabt? frug ihn dieser. Wie? das war Mendelssohn? erwiderte jener mit der größten Bestürzung und fühlte nun erst das beißende jener Antwort, die er von ihm bekommen hatte". Die Anekdote, in kürzerer prägnanterer Fassung war längst bekannt; ihre erneute Mittheilung dürste auch denen, die sie schon einmal gehört haben, aus zwei Gründen willkommen sein. Erstens wegen des Schlusses. Die bisher bekannte Geschichte brach mit der Antwort Mendelssohns ab; neu und pikant ist der Zusatz, daß der Unterredner alsbald von einem Collegen auf seine Ungehörigkeit aufmerksam gemacht wird und Beschämung über dieselbe empfindet. Zweites deswegen, weil die Geschichte hier von einem Zeitgenossen noch bei Leibzeiten Mendelssohns erzählt war, während sie bisher erst viel später bezeugt war^). Am 26. Mai schreibt unser Berichterstatter: „Im Lustgarten, wo wir dann spazierten, trafen wir fast niemand als Juden an, die hier sehr zahlreich sind". 27. Mai „Wir machten Visiten bei Herrn Prof. Wuchner und Moses Mendelssohn. Bei letzterm trafen wir den Schwiegersohn desselben, auch Herrn Geheimderath Dohm und Herrn Oppenheimer an. Herr Moses ist seit einiger Zeit sehr schwach und kränklich. Er spricht fast gar nichts als was man ihn fragt. Da ihn Herr Steckermann Kandidat der Theologie, Landolts Reisebegleiters um sein Urteil über Kants neueste philosophische Schriften fragte, so antwortete er, er habe sie noch nicht gelesen und könne also nicht darüber urtheilen". — Eine andere Stelle aus demselben Bande des Reisetagebuches' mag den Schluß dieser Mittheilung machen. Sie bezieht sich weder auf Mendelssohn noch auf Berlin — sie ist Hamburg 13. Juli 1784 aufgezeichnet — mag aber ihres culturgeschichtlichen Interesses wegen hier stehn. Gegen Mittag sahen wir 2 Weibspersonen, eine alte Mutter mit ihrer Tochter ausführen, um lebendig gerädert zu werden. Sie hatte mit Beihülfe eines guten Freunds, der nachher sich selbst ums Leben brachte, einen Juden ermordet, und sein Blut und andere Theile von ihm zur Bannung des Teufels und anderer Hexereyen zu brauchen. — Der Gebrauch, die Delinquenten in Begleitung von Geistlichen zur Richtstätte zu führen, ist hier vor einigen Jahren abgeschafft worden. Denn gemeiniglich werden diese Leute vom gemeinen Volke beneidet, daß sie unter so schönen Vorbereitungen zu ihrem Tode gehen könnten; man zweifele daher gar nicht, daß sie Kinder t) Kayserling, Mendelssohn 2. Aufl. S. 534 citirt Sulamith III. 2, 146.

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