Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über Moses Mendelssohn
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 5)
- Language
- German
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A. Springer über die Juden. 399 der Seligkeit würden; und ein paarmal sollen sich Beispiele ereignet haben, daß einfältige Leute mit Vorsatz todeswürdige Verbrechen begingen, nur um auch so schön und selig sterben zu können. Seit dieser Zeit werden die Delinquenten mit abgeschnittenem Haar, in einem kurzen Mantel von Roßhaar geflochten und ganz ohne Beistand des Geistlichen zur Exemtion geführt, um diese Scene so abschreckend als möglich zu machen. Beinahe ganz Hamburg war heute in den Straßen, wo die Ausführung durchpassirte, zusammengedrängt." F. Springer über die Juden. In dem ungemein anziehenden Buche: Aus meinem Leben von Anton Springer (Berlin, G. Grote 1891, S. 243 fg.) kommt bei der Schilderung des Bonner Lebens des berühmten Kunsthistorikers folgende längere Stelle vor, die auch den Lesern dieser Zeitschrift mitgetheilt werden soll. Zur Andeutung des Zusammenhangs sei nur darauf hingewiesen, daß Springer damals (Mitte der fünfziger Jahre) als Dozent der Kunstgeschichte in Bonn lebte, außerordentlichen Erfolg bei seinen Zuhörern hatte, von der Regierung aber vernachlässigt, durch journalistische Arbeiten sich seinen Unterhalt verdiente. Solche politischer und ökonomischer Art, auf österreichische Verhältnisse bezüglich, wurden ihm durch seinen Schwiegervater, vr. Pinkas in Prag, einen mitten im politischen Leben stehenden allbeliebten Advokaten, übrigens katholischen Glaubens, zugewiesen. Die eine bezog sich auf eine Eisenbahnconcession, welche das Prager Bankhaus Laemel anstrebte, die andere war folgende: „Durch eine Verordnung des Ministeriums war bald nach der Aufhebung der Verfassung den Juden die Fähigkeit Grundbesitz zu erwerben, wieder abgesprochen worden. Auf den kleinen Grundbesitz, die Bauerngüter, eingeschränkt, ließ sich diese Verordnung wenigstens für die slavischen Provinzen rechtfertigen. Der Ausschluß der Juden vom Großgrundbesitze war eine ganz überflüssige Beleidigung gerade des besten und vornehmsten Theils der österreichischen Judenschaft und außerdem eine ganz verderbliche wirtschaftliche Maßregel. Der kapitalkräftigste Theil der Bevölkerung wurde von dem Mitbewerbe ausgeschlossen. Auf die Beschwerde der Verletzten an hoher Stelle in Wien über diese ebenso gehässige wie thörichte von der hohen Clerisei durchgesetzte Veordnung kam die vertrauliche Antwort, augenblicklich sei ihre Aufhebung nicht möglich, wenn aber die öffentliche Meinung sich scharf und beharrlich dagegen ausspräche, wäre ein Erfolg über kurz oder lang zu gewärtigen, zumal der Finanzminister zu den entschiedenen Gegnern dieser Ghettopolitik gehöre. Daraufhin vereinigten sich mehrere angesehene jüdische